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Tausende Gamer treffen sich bei der Dreamhack Leipzig
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„Schlafen wollen wir gar nicht“ Tausende Gamer treffen sich bei der Dreamhack Leipzig

56 Stunden Spielemarathon und eSports-Profis zum Anfassen: Am Freitag wurde auf der Leipziger Messe die Dreamhack eröffnet – unter dem Applaus von Hunderten Gaming-Fans.

Start der größten Computerspielemesse und eSports Veranstaltung in Mitteldeutschland - Die Dreamhack 2017 auf der Neuen Messe in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Plötzlich bricht im Publikum Jubel aus. Vorne auf der großen Leinwand hat soeben ein gezielter Schuss einen Pixelsoldaten zu Boden gestreckt. Hunderte Gaming-Fans, die in der Halle 5 auf der Neuen Messe von ihren Tribünenplätzen aus mitfiebern, spenden Applaus. Ihre Stars bei dieser speziellen Art des Public Viewings jagen nicht im Stadion einem Ball hinterher, sondern in Fünferteams ihre Gegner. In Glaskästen sitzen sie hinter Monitoren an Maus und Tastatur und kämpfen um den Sieg. Der ist hochdotiert: Das Turnier in dem teambasierten Taktik-Shooter „Counter-Strike: Global Offensive“ lockt mit 100.000 Dollar Preisgeld.

Die Profispieler, die bei der Dreamhack an diesem Wochenende antreten, können von ihrem Sport leben. Der sogenannte eSport hat sich zu einem Millionengeschäft entwickelt und begeistert in Deutschland inzwischen Hunderttausende. In Leipzig steigt eines der größten Events der Szene in Deutschland. Internationale Teams aus Dänemark oder Osteuropa treten gegeneinander an, darunter auch das Team fnatic aus Schweden. „Unser Ziel ist es, mindestens durch die Gruppenphase zu kommen. Alles andere wäre eine große Enttäuschung“, sagen die fünf Jungs. Sie sind alle Anfang 20 und passen damit auch in den Querschnitt der Dreamhack-Besucher. Nur vereinzelt sind Besucherinnen zu entdecken.

Am Freitag startete auf der Leipziger Messer die Dreamhack. Für viele Gamer bedeutet das: Bis Sonntag durchzocken!

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Die Dreamhack, die im vergangenen Jahr Premiere feierte, ist diesmal von einer auf zwei Hallen angewachsen. Besucher können an Spielestationen unter anderem neueste Virtual-Reality-Technik ausprobieren, sich am Samstag und Sonntag in einem großen Pokémon-Turnier  duellieren oder Streamern wie Trilluxe oder Sissor über die Schulter schauen. Diese filmen sich beim Zocken und stellen das Ganze ins Netz. Mit LeFloid stattete am Freitag auch einer der bekanntesten Youtuber der Dreamhack einen Besuch ab. „Es erinnert mich an den Anfang der Games Convention. eSports hat bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit“, meint der 29-Jährige, der 2015 durch ein Video-Interview mit Angela Merkel Berühmtheit erlangte.

Im Ausstellungsbereich Dreamexpo präsentieren Hersteller aus der Gaming-Branche ihre neuen Produkte, darunter auch der Spieleentwickler StadtLandSpiel aus Leipzig. Wer sich ihre App „Dreamhack The Game“  aufs Handy lädt, könne durch das Lösen von interaktiven Puzzles Preise gewinnen, erklärt Geschäftsführer Gregor Assfalg. Am Freitag ist der Andrang an ihrem Messestadt noch verhalten, das soll sich am Wochenende ändern.

13.000 Besucher kamen im Vorjahr zum Gaming-Festival. „Wir wollen ein gesundes Wachstum hinlegen“, sagt Messe-Projektdirektor Christian Gute. „Die Spiele sind zurück in Leipzig. Wir haben Deutschlands größtes digitales Festival etabliert.“ Bis 2018 läuft der Vertrag mit den Partnern aus Schweden, wo die Gaming-Veranstaltung ihren Ursprung hat. Zweimal im Jahr lockt sie nach Jönköping rund 50.000 Spiele-Enthusiasten, es gibt Ableger unter anderem in Frankreich, England und Spanien.

Das Herz der Dreamhack schlägt in Halle 4. Fast schon gespenstische Stille herrscht in dem abgedunkelten Bereich, der nur durch das Flackern von 1500 Monitoren beleuchtet wird. So viele Teilnehmer – 500 mehr als im Vorjahr – haben sich hier zur größten LAN-Party Deutschlands vor den Rechnern versammelt. Gespielt wird bis Sonntagabend, 56 Stunden lang, rund um die Uhr. Die ersten Teilnehmer haben ihre PCs bereits seit acht Uhr morgens aufgebaut und teils eine lange Anreise hinter sich.  

Mit fünf Freunden ist zum Beispiel Sander Vos mehr als 500 Kilometer nach Leipzig gefahren. „Wir wollten unbedingt mal zu einer großen LAN-Party, aber in Holland gibt es so etwas nicht“, erklärt der 29-jährige Spielefan. Gelockt hätten ihn das Gemeinschaftsgefühl und die Atmosphäre, so Vos, der sich mit seinen Freunden in Action- und Rollenspielen misst. „Immer so zwei Stunden, dann gibt es eine kurze Pause.“ Die jungen Männer gönnen sich – anders als die meisten anderen Spieler – den Luxus einer Hotelübernachtung. Hinter vielen Plätzen sind Luftmatratzen aufgepumpt, Feldbetten aufgebaut und Schlafsäcke ausgerollt. Zur Erfrischung stehen extra Duschcontainer bereit.

„Schlafen wollen wir am liebsten gar nicht. Wir ziehen durch, da gibt es kein wenn und aber“, nimmt sich dagegen Cedric Bartsch vor. Der 21-jährige Elektriker aus Schmölln war bereits bei der Premiere vor einem Jahr dabei und setzt auf Erfahrungswerte. Zur Verpflegung stehen Cola, Chips, Toastbrot und Nutella bereit. Über ihre Rechnerplätze haben die Gamer einen Pavillon gespannt. Das zieht die Blicke an und macht es für Bartsch noch leichter, mit anderen Spielern nicht nur virtuell in Kontakt zu kommen. Für ihn wie für viele andere Teilnehmer besteht darin der größte Reiz am Eldorado der Gamer. Ein klein wenig weht der Wind des Aufbruchs nach dem Abschied der Spielemesse Games Convention 2009 nach Köln durch die Leipziger Messehallen. Alleine das löst bei den meisten Teilnehmern schon Jubel aus.

Von Robert Nößler, Christian Neffe und André Pitz

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