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"Thimbleweed Park": Eine Hommage an die goldene Ära der Adventures
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Neues Spiel des "Monkey Island"-Erfinders "Thimbleweed Park": Eine Hommage an die goldene Ära der Adventures

Es sieht aus, als wäre es vor 30 Jahren programmiert worden: Mit „Thimbleweed Park“ nimmt der Schöpfer von „Monkey Island“ und „Maniac Mansion“ Spieler mit auf eine Zeitreise in die gute alte Adventure-Ära der 1980er. Klappt das pixelige Retro-Experiment? LVZ.de verrät es im Test.

„Die Leiche beginnt schon zu verpixeln“: Die FBI-Agenten Angela Ray und Antonio Reyes müssen einen Mord am Fluss von Thimbleweed Park aufklären. 

Quelle: Terrible Toybox

Wenn ältere Computerspieler nach den größten PC-Adventures aller Zeiten gefragt werden, fallen Namen wie diese ganz sicher: Mit „Maniac Mansion“ und der „Monkey Island“-Serie schuf US-Entwickler Ron Gilbert in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren Genre-Klassiker. Eine ganze Generation von Gamern wurde mit seinen Point-and-Click-Abenteuern groß. In „Thimbleweed Park“ holen der 53-jährige Gilbert und sein einstiger Kompagnon Gary Winnick nun die gute alte Zeit zurück auf PC und Xbox One – so nostalgisch wie es nur geht.

Öffne Spiel, nutze Verstand, habe Spaß

Die 2D-Pixelgrafik ist klotzig wie eh und je, die Musik dudelt gemächlich aus den Boxen und die Dialoge pendeln zwischen abgedreht und aberwitzig. „Es fühlt sich an, als würde man eine alte staubige Schreibtischschublade öffnen und darin ein unentdecktes LucasArts-Spiel finden“, hatte Gilbert seinen Fans vor zweieinhalb Jahren versprochen. Und er hielt Wort. Das beginnt schon bei der Story: Ein FBI-Agenten-Duo namens Ray und Reyes muss 1987, dem Erscheinungsjahr von "Maniac Mansion", in dem 80-Seelen-Nest Thimbleweed Park einen Mord aufklären.

Ein Spiel wie aus dem Jahr 1987: Die Agenten Ray und Reyes müssen im Retro-Adventure "Thimbleweed Park" einen Mord aufklären. Screenshots: Terrible Toybox

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Der Leichenfund am Fluss zwingt die Ermittler zu mühsamer Puzzlearbeit. „Öffne“, „drücke“, „rede“, „nutze“ – es sind dieselben neun Befehle wie einst, mit denen Spieler den Bildschirm Pixel für Pixel absuchen und durch Gespräche mit den Einwohnern sowie Kombinationen mit Inventargegenständen die teils knackigen Logik-Rätsel lösen müssen. Der Spieler steuert neben den FBI-Ermittlern auch andere Charaktere durch das Pixeldorf, darunter einen fiesen Clown, einen Geist, eine junge Spieleentwicklerin – und das spätere Opfer.

Spieler "kaufen" sich von Raubkopien frei

Die Entwicklung des Retro-Titels ermöglichte eine 2014 gestartete Kickstarter-Kampagne, mit der Gilberts Team gut 600.000 Dollar einspielte. Spender konnten sich dabei für rund 25 Dollar von ihrer Schuld „freikaufen“, wenn sie einst eine Raubkopie der Ur-Games zockten – oder sich sogar für 5000 Dollar als Nebencharakter ins Spiel einbauen lassen. Mit dem Crowdfunding wurde auch die Untertitel-Übersetzung aus dem Englischen finanziert, die Boris Schneider-Johne übernahm. Er übertrug schon den Sprachwitz von „Monkey Island“ ins Deutsche. Auch „Thimbleweed Park“ zeichnet sich durch launige, selbstironische Dialoge aus. „Die Leiche beginnt schon zu verpixeln“, umschreibt Ray den Zustand des Toten, als die beiden Ermittler am Tatort eintreffen.

Obwohl es mit Anspielungen auf seine Vorbilder nicht geizt, macht „Thimbleweed Park“ wegen der spannenden Krimi-Story und dem immer noch hervorragend funktionierenden Gameplay auch Spaß, ohne die Klassiker zu kennen. Es spielt sich wie eine Hommage an die goldene Adventure-Epoche, charmant in seiner Behäbigkeit, anachronistisch im Vergleich zu aktuellen Blockbustern. Im einfachen Modus werden die schwierigsten Rätsel entschärft. So können Einsteiger die Story genießen, während Profis Spaß daran haben, die im Spiel versteckten, pixelgroßen „Staubkörner“ aufzusammeln. Und das zu einem fairen Preis. „Zahle nie mehr als 20 Dollar für ein Spiel“, hatte „Monkey Island“-Held Guybrush Threepwood einmal gesagt. Ron Gilbert löst auch dieses Versprechen ein. Sein als Download erhältliches Retro-Experiment ist für Fans gut erzählter Geschichten jeden der 19,99 Euro wert.

Von Robert Nößler

Wertung und Infos

4,5 von 5 Punkten

Genre: Point-and-Click-Adventure
Erscheinungsdatum: 30. März 2017
Plattformen: PC, Mac, Xbox One
Preis: 19,99 Euro
Jugendfreigabe: -
Entwickler: Terrible Toybox
Publisher: Terrible Toybox
Website: www.thimbleweedpark.com

Das sollten Eltern wissen

In "Thimbleweed Park" müssen Spieler einen Mord aufklären. Sie sichern Spuren, sprechen mit den Bewohnern des Dorfs und kombinieren Hinweise, um voranzukommen. Das setzt Spaß am Knobeln und auch Ausdauer voraus. Nicht immer liegt die Lösung auf der Hand, daher muss viel ausprobiert werden. Sterben können die Protagonisten nicht, der Frustfaktor hält sich daher in Grenzen. Die Rätsel sind im einfachen Modus auch für Einsteiger lösbar, daher empfehlen wir das Spiel ab 12 Jahren.

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