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„Opernführer für Einsteiger“ – auf sächsisch: „Walk-i-re“! - nicht „Walk-ü-re“!
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Jasmin Solfaghari „Opernführer für Einsteiger“ – auf sächsisch: „Walk-i-re“! - nicht „Walk-ü-re“!

Jasmin Solfaghari hat einen Opernführer vorgestellt. Es gibt ihn unter anderem im badensischen Heimatdialekt der Regisseurin mit iranischen Wurzeln – und auf sächsisch.

Jasmin Solfaghari.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Fast ein Heimspiel ist für Jasmin Solfaghari im Konzertfoyer der Oper Leipzig. Doch ihr Besuch gilt nicht der Wiederaufnahme einer ihrer Inszenierungen am Augustusplatz (zuletzt „Aladin und die Wunderlampe“) und in der MuKo („Ring“ und „Freischütz“ für Kinder). Jetzt stellt sie ihren bei Schott erschienenen „Opernführer für Einsteiger“ vor, der mehr mit Leipzig zu tun hat als das Titelbild, das Motiv stammt von der Fassade des Hauses Dreilinden.

Diesen Opernführer gibt mit identischem Teil auf Hochdeutsch gleich doppelt, einmal im badensischen Heimatdialekt der Regisseurin mit iranischen Wurzeln – und auf sächsisch. Für die Übersetzung hat sie sich Beistand geholt. Mit Klaus Petermann, Kabarettist und Vorsitzender der Lene-Vogt-Gesellschaft, und ihr treffen zwei Experten zusammen: Petermann, der penibel zwischen Lauten an Pleiße, Mulde und Elster unterscheidet, und Solfaghari mit ihrer Metierkenntnis und Leidenschaft für Musiktheater.

Das ist sympathisch: Regionale Wurzeln sollen mit diesem Opernführer gestärkt und parallel Offenheit für Oper in Originalsprache entwickelt werden. An dieser Schnittstelle befinden sich auch die vielen Fotobeigaben aus Solfagharis Leipziger Inszenierungen. Neben Grafiken zum Beziehungsdschungel von Figaro und der noch ausgedehnteren Familiengeschichte von Wotan, Siegmund und Siegfried liefert sie viel Material, das in keinem Nachschlagewerk für Dummies oder Bildungsprotzer zu finden ist, etwa die praktische und symbolische Auftritts- und Verwendungsfrequenz von Pflanzen und Tieren auf dem Theater. Immer wieder kommt sie zurück auf Fragen zu Getränken auf und hinter den Opernbühnen: Farbe, Neben- und Nachwirkungen: Alles dabei. Einen Besucher, der bis dahin noch nie etwas mit Musiktheater am Hut hatte, gewinnt sie sofort. Der Tenor Patrick Vogel mit der „Freischütz“-Arie und Siegmunds Liebeslied, davor der Bassbariton Randall Jakobsh mit der „Figaro“-Arie leisten an diesem späten Vormittag treffsichere und tonschöne Überzeugungsarbeit.

Vielen ist Jasmin Solfaghari als Vertretungsprofessorin für Matthias Oldag an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ bekannt. Ihren Einsatz dafür, mit jungen und erfahrenen Solisten an einem Strang zu ziehen, den existenziellen Fragen in Komödien, Geisterszenen und Weltuntergangsdramen nachzugehen, spürt man auch in ihrem Buch. Es ist nicht der geringste Vorteil, dass diese deutsch-sächsische Werkschau Neugier macht auf weitere Werke und dabei Know-how enthält, das für Vorabendserien mindestens genauso gut verwertbar ist: „Dr leidenschaftlich eifersichtche Graf hat sich in dr Zwischenzeit mit ä Hammer un eener Zange bewaffnet und will grad de Diere von däm Angleidezimmer offmachen.“

Von Roland H. Dippel

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