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Zwei Leipziger Forschungszentren betreiben gemeinsam 24 Ökosystem-Versuchskammern
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Neue Experimentieranlage in Bad Lauchstädt Zwei Leipziger Forschungszentren betreiben gemeinsam 24 Ökosystem-Versuchskammern

Mit einem Investitionsaufwand von rund 3,7 Millionen Euro haben das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und das hiesige Biodiversitäts-Forschungszentrum eine gemeinsam betriebene Versuchsstation geschaffen. Am Mittwoch wurde der Ecotron genannte Komplex in Bad Lauchstädt eingeweiht.

In den sogenannten Eco-Units des neuen Forschungskomplexes können die Interaktionen von ober- und unterirdischen Lebensgemeinsaften erforscht werden.

Quelle: : Idiv

LEIPZIG. Mit einem Investitionsaufwand von rund 3,7 Millionen Euro haben das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das hiesige Biodiversitäts-Forschungszentrum (Idiv) eine gemeinsam betriebene Versuchsstation geschaffen. Am Mittwoch wurde der Idiv-Ecotron genannte Komplex in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) seiner Bestimmung übergeben. Die Anlage sei in ihrer Art international einmalig, hieß es zur Einweihung, zu der auch Vertreter des Bundesbildungsministeriums kamen. Kern von Ecotron sind 24 in einer Halle installierte Versuchskammern, in denen unter kontrollierten Bedingungen die Wechselwirkungen in der Nahrungskette zwischen Pflanzen, Tieren, Mikroben und dem Boden unter die Lupe genommen werden können.

„Damit wird die Lücke zwischen einfachen Laborexperimenten und komplexen Ökosystemansätzen geschlossen“, erklärte Projektleiter Professor Nico Eisenhauer, der am Idiv und der Leipziger Uni seine wissenschaftliche Heimat hat. Im letzten Jahr war er just zu jener Zeit mit einem 1,3 Millionen Euro schweren Preis des Europäischen Forschungsrates geehrt worden, in der auch die Schlüsselübergabe für die bauliche Hülle von Ecotron erfolgte.

Seitdem wurde die Halle sukzessive mit den nunmehr voll funktionsfähigen Testkammern – den Eco-Units – bestückt. Ihre Abmessungen und die technische Ausstattung sind identisch: Jede Einheit misst 1,55 mal 1,55 Meter, ist 3,20 Meter hoch, im oberen Bereich verglast und mutet wie ein futuristisches Terrarium an. Implantiert sind Beobachtungskameras. Licht, Temperatur und Niederschlag lassen sich gezielt steuern. „Wir haben in den vergangenen Monaten zusammen mit den Herstellern viel Zeit in die Optimierung des Systems investiert und sind froh, dass jetzt alles läuft“, meinte Koordinator Manfred Türke.Vernetzt ist die neue Hightech-Plattform zur Erkundung des Zusammenspiels zwischen ober- und unterirdischen Lebensgemeinschaften mit einem UFZ-Freilandareal in unmittelbarer Nachbarschaft. Seit 2013 wird dort auf einer sieben Hektar großen Fläche erforscht, wie sich Klimaveränderungen auf unterschiedliche Formen der Landnutzung auswirken.

Rund drei Millionen Euro stellte die Deutsche Forschungsgemeinschaft für Ecotron zur Verfügung, 700 000 Euro kamen vom UFZ. Die Kooperation von UFZ und Idiv sorge für die Forschung an dem Standort in Bad Lauchstädt für einen zusätzlichen Schub, sagte Professor Francoir Buscot, der in Personalunion an beiden Einrichtungen wirkt. Mit Hilfe der Versuchskammern soll unter anderem erkundet werden, wie sich der Verlust von Tier- und Pflanzenspezies auf Ökosysteme auswirkt. Eisenhauer: „Wir können in den Eco-Units auch mögliche Zukunftsszenarien simulieren und so einen Ausblick auf eine künftige Welt mit weniger Arten bekommen.“

 

Von Mario Beck

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