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Exot in Leipzig: Percy, der angehende Kosmetiker
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Als Mann in einer Frauen-Domäne Exot in Leipzig: Percy, der angehende Kosmetiker

Percy Leder hat im Ausbildungskabinett gerade ganz sanft das Antlitz einer Kundin mit einer wohlriechenden Gesichtsmaske überzogen, die nun einwirken muss. Percy Leder ist hier gewissermaßen eine Rarität: In dem Kurs, in dem im Zuge einer beruflichen Reha am Leipziger Berufsförderungswerk (BFW) aktuell sechs Damen zu Kosmetikerinnen umgeschult werden, ist er der einzige Mann.

Auf dem Weg zum Vollprofi als Kosmetiker: Percy Leder. Kundinnen wie Marion Seiffert stören sich dabei nicht daran, ob eine Frau oder ein Mann „Hand an ihr Gesicht anlegen“. Hauptsache, sie verstünden ihr Handwerk, so die Leipzigerin.
 

Quelle: BFW

Leipzig.  Percy Leder hat im Ausbildungskabinett gerade ganz sanft das Antlitz einer Kundin mit einer wohlriechenden Gesichtsmaske überzogen, die nun einwirken muss. Percy Leder ist hier gewissermaßen eine Rarität: In dem Kurs, in dem im Zuge einer beruflichen Reha am Leipziger Berufsförderungswerk (BFW) aktuell sechs Damen zu Kosmetikerinnen umgeschult werden, ist er der einzige Mann. Und korrekterweise muss es natürlich heißen – er will „Kosmetiker“ werden.

„Ich habe schon immer einen Hang zur Kreativität gehabt“, sagt der gebürtige Erfurter. Daher habe er seinerzeit zunächst das Friseurhandwerk erlernt; danach allerdings führten ihn die beruflichen Wege ins Dialogmarketing eines Büros, später in ein Online-Reisebüro, und da unter anderem ins Beschwerdemanagement. „Es waren für mich Jobs, wo ich toll fand, Menschen einfach etwas Gutes zu tun beziehungsweise ihnen in irgendeiner Form behilflich zu sein“, so der 31-Jährige. Doch das kostete offenbar auch Nerven. Als es in seiner letzten Wirkungsstätte dann noch Strukturveränderungen gab und das Betriebsklima auf den Nullpunkt sank, ereilte ihn, was man landläufig Burnout nennt. „Ich musste mir dann einfach überlegen, was ich langfristig weiter machen könnte, was mir auch Freude macht. Die Schönheitsbranche schien mir da passend, so kam ich auch auf die Kosmetik-Idee.“ Dass er sich damit in eine Frauen-Domäne begibt, sei für ihn kein Thema gewesen. „Das kenne ich doch schon seit der Friseurausbildung...“, winkt er ab. Und: „So ein Einzelexemplar ist Herr Leder bei uns nun auch wieder nicht“, schmälert Ausbildungsleiterin Simone Schüler mit einem Lächeln denn auch ein wenig Leders Alleinstellungsmerkmal. Seit sie den Kurs 2005 am BFW aufgebaut habe, seien durchaus vier, fünf Herren schon dabei gewesen.

Für die Kundschaft ist es am Ende offenbar auch belanglos, wer ihr Äußeres optimal aufpeppt – ob Frau oder Mann. Das Ergebnis zählt! Leders Gerade-Kundin Marion Seiffert etwa bekennt sich zu 65 Lenzen, schaut aus wie 50 und erzählt: „Ich mache hier sozusagen jedes Lehrjahr mit. Und mir ist bewusst, dass das hier Auszubildende sind. Aber ich fühle mich hier von allen gut betreut. Auch, weil Fachkräfte ja auch immer einen Blick mit drauf haben, Service und Produktberatung perfekt sind. Überdies ist es für mich als Kundin hier freilich auch immer etwas preisgünstiger als anderswo“, denkt sie. Kerstin Ohlhof (55), mit frischen Hauttönen gerade der Nachbarliege entstiegen und schon seit 2005 „Übungs-Kundin“, pflichtet bei, die Professionalität hier ließe nichts zu wünschen. Vermutlich gilt das „Verschönern“ im BFW längst als so etwas wie ein Geheimtipp. Schüler erzählt, als Modelle für ihre Azubis stellten sich mittlerweile auch etliche Mitarbeiter der benachbarten LVA und des Jobcenters sowie die hauseigenen Kolleginnen – jeweils nach Dienstschluss (!) – ein. Und übrigens auch einige Männer.

Es ist nicht zuletzt diese Praxisnähe, die Leder an seiner zweijährigen Ausbildung gefällt. „Man hat es – wie dann später auch – sowohl mit jungen als auch älteren Menschen zu tun, lernt, sich auf die Behandlung unterschiedlichster Gesichtsformen und Hauttypen einzustellen“, sagt er und schiebt nach: „Was ich nur allgemein etwas schade finde, ist, dass der Beruf öffentlich noch so wenig Anerkennung findet.“ Dabei sei in diesem Job mehr gefragt, als das Wissen um Dermatologie, um Schminktechniken und spezielle Massagen, um Warenkunde und – Wirtschaft…. Das reiche hin bis in die operative Kosmetik, so mit Ultraschallanwendungen oder beispielsweise auch der Elektroporation zur Faltenbehandlung. „Wofür im BFW allerdings auch wirklich die modernste Technik angeschafft wurde, was mich als Ausbilderin echt freut“, merkt Schüler an. Sie verweist zudem darauf, dass es sich hier auch um eine staatlich anerkannte Ausbildung handelt, die mit einer Prüfung vor der Handwerkskammer zu Leipzig abschließt. Und die gute Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnet – etwa für Leute, die noch ihren Meister machen möchten.

BFW-Sprecher Michael Lindner weiß zu berichten, dass in der Gesundheits-, Schönheits- und Wellnessbranche der Kosmetikernachwuchs gegenwärtig gefragt ist. „Allein schon die Kosmetikstudios in und um Leipzig suchen Fachkräfte, die wir bei uns übrigens auch über einen Bildungsgutschein ausbilden. Unsere Vermittlungsquote liegt zudem bei 100 Prozent. Von denen, die den laufenden Kurs Mitte Juni mit ihrer HWK-Prüfung abschließen, haben bereits jetzt alle einen Arbeitsplatz.“

Auch Leder. Er stößt zum Team des Kosmetikinstituts von Ilka Lucas in der Nikolaistraße. Weshalb er selbst schon mal im BFW-Ausbildungskabinett – wenn er nicht gerade mit Cremes, Pasten und Masken hantiert – im Picobello-Anzug samt Krawatte anzutreffen ist. Das Institut werde halt auch gern von einem „etwas gehobeneren Klientel“ aufgesucht, daher werde da eben auch Wert aufs Äußere der Mitarbeiter gelegt, hieß es.

Von Angelika Raulien

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