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Neues Funktionsgebäude des FC International Leipzig abgebrannt
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Im Mariannenpark Neues Funktionsgebäude des FC International Leipzig abgebrannt

Auf dem Gelände des Sportplatzes im Mariannenpark ist am Freitagmorgen ein noch in Bau befindliches Funktionsgebäude komplett ausgebrannt. Der Neubau war erst kürzlich vom Stadionmieter FC International Leipzig errichtet worden.

Das Containergebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Quelle: Holger Baumgärtner

Leipzig. Auf dem Gelände des Sportplatzes im Leipziger Mariannenpark ist am Freitagmorgen ein noch in Bau befindliches Funktionsgebäude komplett ausgebrannt. Nach Informationen der Polizei wurde das Feuer um 2.50 Uhr auf dem Areal an der Adenauerallee im Stadtteil Schönefeld gemeldet. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Haus bereits voll in Flammen und brannte anschließend praktisch bis auf die Grundmauern nieder. Brandstiftung wird vermutet.

Der Neubau war erst kürzlich im Auftrag von Stadionmieter FC International Leipzig errichtet und noch nicht fertig gestellt worden. „Wir sind geschockt“, sagte Vereinssprecher Norman Landgraf am Freitag gegenüber LVZ.de. Neben dem Containerhaus seien durch die Hitzeentwicklung auch Fangnetze und die mobile Flutlichtanlage des Vereins beschädigt worden. Genaue Angaben zum entstandenen Schaden seien zwar noch nicht möglich, „aber das werden sicher mehrere zehntausend Euro sein“, so Landgraf weiter.

Auf dem Gelände des Sportplatzes im Mariannenpark ist am Freitagmorgen ein noch in Bau befindliches Funktionsgebäude komplett ausgebrannt. Der Neubau war erst kürzlich im Auftrag von Stadionmieter FC International Leipzig errichtet worden. 

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Neben dem Sachschaden gibt es zudem sportliche Einschränkungen, so der Inter-Sprecher weiter. Am Freitagabend sollte eigentlich die Frauenmannschaft des 1. FFC Wacker auf dem angrenzenden Spielfeld zu einem Landesliga-Spiel antreten. Die Partei sei nun abgesagt worden. „Außerdem sollte das DFB-Mobil zum Training mit unseren Kindern zu uns kommen. Auch das kann nun nicht stattfinden“, so Landgraf weiter.

Diskussionen um Gebäude – keine Baugenehmigung

Das am Freitag zerstörte Funktionsgebäude war ein Schwarzbau, der in den vergangenen Wochen für zahlreiche Diskussionen in Leipzig gesorgt hatte und sogar Thema im Stadtrat wurde. Der Hauptsponsor des FC Inter, das Immobilienunternehmen CG Gruppe, hatte den ursprünglich in der Flüchtlingsunterbringung eingesetzten Container ohne erfolgreiche Baugenehmigung in den Mariannenpark gebracht und dort auf einem errichteten Erdwall abgesetzt. Als die Behörden davon erfuhren, wurde ein Baustopp verhängt. Seither ruhen die Arbeiten, solange bis der nachgereichte Bauantrag genehmigt wurde.

„Im Haus gab es bisher weder Wasser noch Strom. Und sollte heute Nacht bei Minusgraden nicht ein Blitz eingeschlagen haben, kann ich mir kaum vorstellen, wie dort Feuer ausgebrochen sein könnte. Aber wir werden die Ermittlungen der Polizei abwarten“, so Inter-Sprecher Landgraf weiter. Experten der Behörden haben am Freitagvormittag mit den Untersuchungen in der Ruine angefangen. Man ermittele in alle Richtungen, gehe aber vonBrandstiftung aus, so eine Polizeisprecherin gegenüber LVZ.de.

FC Inter hofft auf Solidarität

Der im August 2013 gegründete FC International Leipzig ist in der Messestadt nicht unumstritten. Zum einen begann die erste Mannschaft dank Spielrechtsübernahme direkt in der sechsthöchsten Spielklasse – was bei der Konkurrenz nicht überall wohlwollend aufgenommen wurde. Zudem wurde der FC International auch mit der Behauptung gegründet, es gebe bisher kaum Sportmöglichkeiten für Kinder mit Migrationshintergrund in der Messestadt. Das stieß vor allem bei den zahlreichen anderen Fußballvereinen in Leipzig auf Unmut, die sich seit Jahrzehnten dafür engagieren und in denen völlig selbstverständlich auch Kinder mit Migrationshintergrund spielen.

Nicht zuletzt war auch das Trainingsgelände des FC Inter im Mariannenpark bereits mehrfach Grund für öffentliche Streitereien – vor allem mit dem Hauptpächter der Anlage, dem SV Wacker Leipzig. Dessen Verantwortliche warfen dem FC International mehrfach fehlende Kooperationsbereitschaft vor und wollten die Orangen hinauswerfen. Anfang April entzog die Stadtverwaltung dem SV Wacker allerdings den Pachtvertrag aufgrund von mehreren Vertragsverletzungen.

„Wir wissen natürlich, dass wir in Leipzig nicht beliebt sind. Aber das, was jetzt hier passiert ist, hat schon eine neue Qualität“, sagte Inter-Sprecher Norman Landgraf. Angesichts der Zerstörungen auf ihrem Gelände hoffen die Orangenen nun auf mehr Solidarität aus der Leipziger Sportszene. „Wer uns helfen möchte, kann dies gerne über unsere Geschäftsstelle tun oder einfach eine Mail an kontakt@fc-inter.com schreiben“, so Landgraf.

FDP-Stadtrat: Hassprediger an eigene Nase fassen

Am Freitagnachmittag gab es erste Reaktionen aus der Politik zum Brand im Mariannenpark. FDP-Stadtrat René Hobusch macht in einem Schreiben unter anderem überzogene Kritik am FC International mitverantwortlich für den Schaden: „Wenn sich der Verdacht der Brandstiftung bewahrheitet, dann können sich all die Hassprediger an die eigene Nase fassen“, so Hobusch.

Der Verein habe hinsichtlich des Schwarzbaus auf seinem Gelände Fehler eingeräumt und plausibel Maßnahmen zur Besserung aufgezeigt. „Eine solche Aktion wie letzte Nacht schadet nur einer kleinen Gruppe: Den Kindern, die einfach nur Fußball spielen wollen – vielfach aus dem Umfeld des sozialen Brennpunktes Eisenbahnstraße“, schreibt der FDP-Politiker. Hobusch forderte deshalb, „verbal abzurüsten“ und den FC International als einen von vielen Sportvereinen in Leipzig zu begreifen. „Auch andere Vereine haben namhafte Unterstützer, Türöffner und Sponsoren. Dieses gesellschaftliche Engagement verdient Anerkennung und keine Arschtritte – und zwar überall."

Matthias Puppe

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