Menü
„Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen“
Klein Mittel Groß

Rentenversicherung bietet Unterstützung: „Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen“

Unter die Steuerpflicht fallen immer mehr Rentnerhaushalte in Sachsen und Thüringen. Ursachen und Folgen erklärt Ursula Wächter, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland.

Ursula Wächter von der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland.

Leipzig. Unter die Steuerpflicht fallen immer mehr Rentnerhaushalte in Sachsen und Thüringen. Ursachen und Auswirkungen erklärt Ursula Wächter, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland.

Die Einkommenssteuererklärung wird Ende Mai fällig – vor allem für Rentner eine lästige Pflicht: Wie viele sind davon in Sachsen und Thüringen betroffen?

Zunächst: Nicht alle Rentner müssen Steuern zahlen. Entscheidend ist, ob der steuerpflichtige Teil der Rente zuzüglich gegebenenfalls weiterer Einkünfte oberhalb des Grundfreibetrages liegt. Der steuerpflichtige Teil der Rente richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Für alle, die bis 2005 in Rente gegangen sind, wurden 50 Prozent der Bruttorente als steuerpflichtiges Einkommen angesetzt, der Rentenfreibetrag beträgt in dem Jahr also 50 Prozent. Wer 2017 in Rente geht, hat einen Freibetrag von 26 Prozent, da schon 74 Prozent versteuert werden müssen. Der individuelle Rentenfreibetrag bleibt auch in den Folgejahren unverändert. Rentenanpassungen erhöhen den steuerpflichtigen Teil der Rente. Bei einem Rentenbeginn ab 2040 muss die Rente grundsätzlich voll versteuert werden. Auch wenn ein großer Teil der Rentnerhaushalte derzeit immer noch steuerfrei bleibt, steigt die Anzahl derer, die eine Steuererklärung abgeben und auch – zunächst geringfügige – Steuern zahlen muss. Gründe sind zum einen die in den letzten Jahren gestiegenen Renten und zum anderen der sich von Jahr zu Jahr erhöhende Anteil der zu versteuernden Bruttorente. Als Rentenversicherungsträger können wir allerdings nicht sagen, ob und wie viele Rentenempfänger eine Steuererklärung machen müssen. Entsprechende Zahlen liegen uns nicht vor.

Wie unterstützt die Rentenversicherung Mitteldeutschland die Rentenempfänger bei der Erklärung?

Auf Anfrage stellen wir ihnen eine kostenlose Mitteilung über ihre Rentenhöhe aus. Diese sogenannte Rentenbezugsmitteilung enthält die steuerrechtlich relevanten Beträge für das Jahr 2016 sowie die Summe, die für die Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt wurden. Der Bruttorentenbetrag muss in die „Anlage R“ der Steuererklärung eingetragen werden und die Summe der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in die „Anlage Vorsorgeaufwand“. Wer die Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt wünscht, kann diese unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 1000 480 90 oder per E-Mail unter service@drv-md.de anfordern. Benötigt wird nur die Rentenversicherungsnummer. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir keine individuelle Steuerberatung anbieten. Wer Fragen zu seiner Steuererklärung hat oder dazu, ob er überhaupt eine abgeben muss, sollte sich ans zuständige Finanzamt wenden oder an einen Lohnsteuerhilfeverein beziehungsweise einen Steuerberater.

Sind ältere Damen und Herren selbst dann zur Steuererklärung verpflichtet, wenn sie körperlich oder geistig beeinträchtigt sind?

Ob jemand steuererklärungspflichtig ist, ist nicht von seinem körperlichen Zustand abhängig, sondern von seinen Einnahmen. Grundsätzlich waren Rentner auch in der Vergangenheit verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Wenn ihr zu versteuerndes Einkommen voraussichtlich auch in absehbarer Zukunft den steuerlichen Grundfreibetrag nicht überschreitet, wurden sie allerdings vom Finanzamt oft davon entbunden. Wer also im Jahr 2016 ein maximal zu versteuerndes Einkommen von 8652 Euro hatte, muss keine Steuererklärung abgeben. Die tatsächliche Steuerbelastung hängt von vielen Faktoren ab, wie Familienstand, Beiträge zur Krankenversicherung oder außergewöhnliche Belastungen – zum Beispiel bei Schwerbehinderung. Ändern sich die Einkommensverhältnisse, könnte allerdings Steuerpflicht eintreten. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn man noch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erzielt. Entscheidend ist nämlich die Höhe der gesamten Einkünfte, nicht nur die Rentenhöhe.

Wer haftet für falsche Angaben?

Wie Arbeitnehmer für die Angaben in ihrer Steuererklärung gerade stehen müssen, so sind auch die Rentner für die Richtigkeit ihrer Steuererklärung verantwortlich.

Interview: Winfried Mahr

Von Winfried Mahr

E-Mail facebook twitter google+WhatsApp