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Ältestes Zoo-Faultier der Welt hängt in Halle ab
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Seit 1971 Ältestes Zoo-Faultier der Welt hängt in Halle ab

Einfach faul irgendwo abhängen - wer kann sich das schon leisten. Faultiere dürfen das. Nichts anderes scheint ihre Bestimmung zu sein. Und so ist Paula alt geworden - die Seniorin ist das wohl älteste Zoo-Faultier der Welt.

Paula ist wohl das älteste Zoo-Faultier der Welt. Und mit Zoo-Faultieren kennt sich wahrscheinlich keiner so gut aus wie Jutta Heuer.

Quelle: dpa

Halle. Gemächlich hangelt sich Faultierdame Paula an ihrem Ast entlang. Ihre schwarzen Knopfaugen mustern im behäbigen Näherkommen den Fremdling unverwandt, der da mit Block und Stift im Gehege steht. Paula hat schon viel gesehen. Für ein Faultier hat sie ein nahezu biblisches Alter. «Da sie aus der Wildbahn kam, wissen wir das ganz genaue Alter nicht. Aber jetzt dürfte sie etwa 48 Jahre alt sein», erzählt Säugetier-Kuratorin Jutta Heuer.

«Und es ist wohl weltweit die längste Spanne, die je ein Faultier in einem Zoo verbracht hat», sagt die Diplom-Biologin und füttert die von ihrem Ast herabhängende Faultier-Seniorin mit Scheibchen von gekochten Kartoffeln. Seit 1971 lebt das Tier im Zoo Halle.

Paula und ihre Gefährten Charlotte, Toni, Maxi und Pedro sind Zweifingerfaultiere, die in Südamerika hoch oben in Bäumen leben. Durch ihr langes Fell sind sie für Feinde praktisch unsichtbar. Auch wenn sie sich scheinbar in Zeitlupe bewegen und viel zu langsam zur Flucht sind - ganz wehrlos sind sie nicht. «Sie haben Eckzähne, die nachwachsen, und lange scharfe Krallen», sagt Heuer, die die haarigen Gesellen sichtlich ins Herz geschlossen hat.

Schwierige Nachzucht

Aktuell gibt es in europäischen Zoos laut Heuer nur 268 Faultiere. Die Nachzucht ist nicht einfach. «Pro Jahr werden um die 20 Jungtiere geboren», sagt Heuer. Das ist nicht sehr viel. Dabei sind die bizarren Tiere hochbegehrt. 40 Zoos stehen momentan auf der Warteliste für Faultiere, schildert die Biologin.

Sie gehört wohl zu denen, die sich am besten mit Zoo-Faultieren auskennen. Immerhin führt sie innerhalb des Verbandes Europäischer Zoos seit 1996 das europäische Zuchtbuch für Zweifingerfaultiere. Das heißt, sie stellt Zuchtempfehlungen aus, koordiniert den Austausch der Tiere unter den Zoos und wacht über den Stammbaum.

«Es geht um den Erhalt genetischer Vielfalt und um die Vermeidung von Inzucht», erläutert Heuer. Dabei sei es ganz schwierig, das Geschlecht eines Tieres zu bestimmen. «In Bielefeld gibt es ein Labor, das anhand von Haarproben das Geschlecht eines Tieres bestimmen kann», sagt die Biologin. Zudem eignen sich nicht alle Faultiere zur Zucht: Es gebe Paare, die sich einfach nicht mögen, erläutert sie. «Beispielsweise das Faultierweibchen in Chemnitz duldet gar keinen Artgenossen um sich».

Nicht bedroht, aber gefährdet

Faultiere gelten laut Heuer zwar nicht als bedrohte Art, leben aber in ihren heimischen Gefilden gefährlich. «Sie werden bejagt und gegessen», sagt sie. «Und die Kleinen werden häufig als knuddelige Spielgefährten in Familien verkauft.» Dort stürben sie meist sehr bald, weil sie falsch ernährt werden. In Kolumbien gebe es mittlerweile eine Auffangstation für Faultiere.

Nach den Angaben des Verbandes der Zoologischen Gärten bestehen europaweit 190 europäische Erhaltungszuchtprogramme für 212 Arten und 198 europäische Zuchtbücher für weitere 200 Arten oder Unterarten. Deutsche Zoos sind dabei gut vertreten.

Mehrere Zuchtbücher werden beispielsweise im Leipziger Zoo geführt, etwa für das Stumpfkrokodil. Leipzig hat zudem seit 1972 das internationale Tigerzuchtbuch. Dortmund führt Buch über Seebären und Ameisenbären, Frankfurt am Main wacht über den Nashornleguan.

LVZ

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