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Schwenk übernimmt Zementwerk in Karsdorf
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Leipziger Opterra-Gruppe auf Schrumpfkurs Schwenk übernimmt Zementwerk in Karsdorf

Zu DDR-Zeiten war es das größte Zementwerk der Republik. Jetzt wechselt der Betrieb in Karsdorf den Besitzer – zum zweiten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren. Die Leipziger Opterra-Gruppe trennt sich von ihrem größten Produktionsstandort. Käufer ist die Schwenk-Gruppe aus Ulm. Die verleibt sich den einzigen Konkurrenten in Sachsen-Anhalt ein.

Zementwerk Karsdorf

Leipzig/Karsdorf. Zu DDR-Zeiten war es das größte Zementwerk der Republik. Jetzt wechselt der Betrieb in Karsdorf (Burgenlandkreis) den Besitzer – zum zweiten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren. Die erst 2014 gegründete Leipziger Opterra-Gruppe trennt sich damit von ihrem größten Produktionsstandort. Käufer ist die Schwenk-Gruppe, die damit ihr zweites Werk in Sachsen-Anhalt erwirbt.

Bereits im Februar sei der Kaufvertrag mit Schwenk unterzeichnet worden, erklärte Opterra-Sprecherin Anke Wunder. Neben dem Zementwerk Karsdorf wechselt auch das Mahlwerk Sötenich in Nordrhein-Westfalen den Besitzer. Die Mitarbeiter waren schon am 1. März in Betriebsversammlungen informiert worden. Jetzt prüft das Bundeskartellamt. Dort liegt der Antrag seit 3. Mai vor.

Standorte gehörte 22 Jahre lang zu Lafarge

Die 235 Mitarbeiter in Karsdorf müssen sich damit erneut an einen neuen Namen gewöhnen. Bis Ende 2014 gehörte der Standort zum französischen Baustoffkonzern Lafarge. Der hatte den einstigen VEB 1992 von der Treuhand übernommen.

Der Ausstieg erfolgte nach 22 Jahren eher unfreiwillig: Im Zuge der Fusion mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim drängte die europäische Wettbewerbsbehörde auf einen Verkauf von Unternehmensteilen, darunter mehrere Standorte in Deutschland – inklusive Karsdorf.

Schon damals soll Schwenk-Zement Interesse an dem Werk gezeigt haben, berichtet die „Mitteldeutsche Zeitung“. Lafarge wollte aber nur im Paket verkaufen. Den Zuschlag erhielt am Ende der irische Baustoffkonzern CRH. Der legte die Standorte unter dem Kunstnamen Opterra zusammen. Die Zentrale der neuen Tochter wurde in Leipzig angesiedelt.

Schwenk in Sachsen-Anhalt künftig konkurrenzlos

Offenbar, so vermutete ein Mitarbeiter in der „Mitteldeutschen Zeitung“, habe CRH nur den Ablauf der Bindefrist abgewartet, um das Werk nun doch an Schwenk zu verkaufen. Das Ulmer Unternehmen steigt damit zum Marktführer in Sachsen-Anhalt auf.

Schon 1990 hatten die Süddeutschen von der Treuhand das Zementwerk in Bernburg (Salzlandkreis) übernommen, den maroden Standort dann innerhalb von 20 Monaten durch einen Neubau ersetzt, der damals als modernstes Werk Europas galt. Bernburg und Karsdorf sind nach Angaben des Vereins Deutscher Zementwerke die beiden einzigen Produzenten in Sachsen-Anhalt.

Schwenk wollte sich noch nicht zu seinen Plänen für Karsdorf äußern. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir erst nach Prüfung und Entscheidung durch das Bundeskartellamt die konkreten Schritte planen und Ihre Fragen beantworten können“, erklärte Unternehmenssprecher Stefan Renz auf LVZ-Anfrage.

Leipziger Opterra-Gruppe schrumpft deutlich

Bei CRH ist der Abschluss mit Schwenk Teil eines ganzen Pakets von Verkäufen. Von sechs Beteiligungen trennen sich die Iren, 400 Millionen Euro soll das in die Kasse spülen. Der Verkauf in Deutschland sei dabei die größte Einzeltransaktion, so die Sprecherin. Für die noch junge Opterra-Gruppe bedeutet das eine deutliche Schrumpfkur: Von den rund 400 Mitarbeitern wechselt mehr als die Hälfte zu Schwenk: 235 in Karsdorf, weitere 20 in Sötenich.

Bei Opterra bleiben neben der Leipziger Zentrale mit ihren 30 Mitarbeitern zwei Fabriken in den alten Ländern: Das Betonwerk Neufahrn in Bayern (30 Mitarbeiter) und das Zementwerk Wössingen in Baden-Württemberg. Das ist aber deutlich kleiner als der bisherige Schwesterbetrieb in Karsdorf: 115 Mitarbeiter produzieren in Wössingen 800 000 Tonnen Zement pro Jahr.

In Karsdorf liegt die Kapazität dreimal so hoch – bei 2,3 Millionen Tonnen. Zu DDR-Zeiten waren es sogar mehr als vier Millionen Tonnen. Welche Konsequenzen der Schrumpfkurs auf die Hauptverwaltung in Leipzig haben wird, blieb zunächst offen.

Von Frank Johannsen

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