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„Meine englische Stimme klingt übrigens super“
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Schweighöfer über „You Are Wanted“ „Meine englische Stimme klingt übrigens super“

Amazon hat die erste große deutsche Streamingserie herausgebracht, alle Folgen von „You Are Wanted“ stehen online. Im Interview spricht Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer über die Handlung, Privatsphäre und Til Schweiger.

Matthias Schweighöfer in der Amazon-Streamingserie „You Are Wanted“.

Quelle: Amazon

Hannover. „You Are Wanted“ ist die erste in deutscher Sprache entwickelte Serie des Streaminganbieters Amazon Prime Video. Seit diesem Freitag stehen alle Folgen online. Matthias Schweighöfer ist Hauptdarsteller und Regisseur.

Frage: Wie ungehalten sind Sie eigentlich, dass Christian Ulmen Ihnen mit der Maxdome-Produktion „Jerks“ knapp den Rang als erste deutsche Streamingserie abgelaufen hat?

„Jerks“ ist erst mal ein ganz anderes Serienformat, es ist eher ein Dialog zwischen zwei Typen als ein aufwendiger Thriller wie bei uns. Ich freue mich sehr für Christian. Ungehalten bin ich da gar nicht.

Der Serienmarkt wird bislang von den USA dominiert. Was kann diese erste große deutsche Streamingserie dem entgegensetzen?

Ich bin sehr stolz, dass „You Are Wanted“ in 200 Ländern startet und man sie sowohl synchronisiert als auch im Original mit Untertiteln schauen kann. Meine englische Stimme klingt übrigens super. Mit einer spezifisch deutschen Materie hätte man es international wohl schwer. Aber bei uns ist die Thematik einfach international. Cyberkriminalität macht keinen Halt vor Grenzen.

Es geht in der Serie darum, dass die Daten des Mannes gehackt werden, den Sie spielen, und Ihre digitale Identität umgeschrieben wird. Haben Sie persönlich Angst vor Datenhackern, schützen sich mit ausgeklügelten Passwörtern?

Nach dem Dreh dieser Serie kommt mir ein Passwort wie ein Witz vor. Das sind nur Placebos, um uns in Sicherheit zu wiegen. Wenn man auf einen Ampelknopf drückt, dann wird der Verkehr ja auch nicht plötzlich für einen angehalten. Genauso wenig hält ein Passwort einen professionellen Hacker ab. Ich habe da keine Sicherheitsmethoden, sondern füge mich einfach dem Umstand, dass heute über das World Wide Web alles möglich ist.

Die Snowden-Affäre hat gezeigt, wie begrenzt unsere Privatsphäre im digitalen Zeitalter ist. Regen sich die Menschen darüber zu wenig auf?

Die Privatsphäre ist nicht nur begrenzt, unsere Sphäre ist nicht mehr privat. Ich denke ohnehin, dass man machtlos gegen die komplette Transparenz der Daten ist. Heutzutage ist doch alles mit dem Internet verbunden. Da muss man immer damit rechnen, dass jemand mitliest.

Wie sehr ist unsere Identität heute von unseren digitalen Daten abhängig?

Sehr. Da genügt ein Blick in die ­iTunes-Mediathek. Da sind alle Lieder versammelt, die man gerne hört. Und die erzählen viel über einen, was man mag, in welcher Stimmung man welchen Song hört. Dieses digitale Angebot macht auch abhängig. Man stelle sich vor, die 15 000 Lieder, die man da vielleicht zusammengestellt hat und früher als CDs im Schrank hatte, sind mit einem Mal verschwunden. Das ist ein ganzes Leben.

Apropos Musik: Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur, Filmproduzent, Streamingdienstanbieter und haben jetzt auch ein Album rausgebracht. Treten Sie demnächst auch in einem Theaterstück auf oder als Jongleur bei einem Kleinkunstabend?

Nein. Theater habe ich mal überlegt, aber da habe ich gerade keine Lust drauf. So viel auf einmal mache ich aber gar nicht, das sieht nur nach außen so aus. Mit einem tollen Team und einem strengen Zeitmanagement ist das kein Problem.

Ihr Produktionskollege Dan Maag sagte neulich, für das lineare Fernsehen hätte man diese Serie nicht machen können, weil man dann keine Topschauspieler wie Alexandra Maria Lara hätte engagieren können. Sehen Sie das als Schauspieler auch so: Ist Fernsehen immer noch pfui, Streaming dagegen hui?

Nee, es gibt in Deutschland auch sehr gute Fernsehsachen. Aber meiner Meinung nach erfordert es manchmal ein bisschen mehr Mut. Beim Streaming ist diese für mich sehr komfortable Showrunner-Mentalität weiter verbreitet, also dass sich eine Person sowohl um das Konzept als auch um das Drehbuch und die Produktion kümmert. Das bringt mehr Freiheiten mit sich.

Im „Spiegel“ hieß es jüngst, es gebe ein Überangebot an Serien. John Landgraf, Chef des US-Pay-TV-Senders FX, sagt, dass Streamingdienste mit Serien tonnenweise Geld verlieren würden. Wie kommentieren Sie das, ist der Boom der Serie schon vorbei?

Keine Ahnung. Das wäre mir neu. Es werden natürlich immer mehr Serien produziert, aber die laufen doch auch wie Sau.

Im Juli sind Sie mit der Video-on-Demand-Plattform Pantaflix gestartet. Verbinden Sie mit dem Namen eine Kriegserklärung an Netflix?

Nein, mit Netflix braucht man sich ja auch nicht anzulegen, das wäre vermessen. Wir haben ein ganz anderes Konzept, nämlich Filme außerhalb des Heimatlandes international zugänglich zu machen. Wir haben damit Erfolg, mehr, als wir zuvor dachten. Detailfragen kann dazu aber nur mein Partner Dan Maag beantworten.

Werden Sie bei Pantaflix künftig auch Eigenproduktionen wie Amazon und Netflix anbieten?

Gute Frage. Da werde ich mal drüber nachdenken.

Sie haben Anfang des Jahres wieder einmal mit Til Schweiger gedreht, die Actionkomödie „Hot Dog“. Sind Sie wirklich so gute Freunde oder kommt so eine Star-Bromance einfach besser beim Publikum an?

Wir verstehen uns gut, aber er ist jetzt nicht einer meiner engsten Freunde, die ich jeden Tag sehe. Wir leben ja auch nicht in einer Stadt. Wenn sich aber die Chance ergibt, drehen wir gerne zusammen. Wir haben ja eine lange Geschichte miteinander.

In 50 Jahren – wird es da noch lineares Fernsehen geben? Oder gehört Streaming die Zukunft?

In 50 Jahren sind wir wahrscheinlich alle Hauptdarsteller in unserem eigenen Kinofilm. Da kann jeder mitspielen und entscheiden, ob er nach links oder rechts geht und welchen Satz er sagt.

Von RND/Nina May

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