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Das Kreuz mit dem Kreuz
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Rückenleiden Das Kreuz mit dem Kreuz

Rückenschmerzen sind die häufigste Ursache für Krankschreibungen. Operationen bringen aber nur selten Linderung – denn oft ist die Psyche schuld am Stechen.

Wenn wir etwa wegen Sorgen dauerhaft angespannt sind, verkrampft sich unsere Muskulatur.
 

Quelle: E+

Hannover. Stechende Schmerzen wie aus dem Nichts, Bewegungen werden unmöglich. Und manchmal wird der Schmerz allmählich immer stärker, oder er kommt und geht. Kreuzschmerzen sind ein verbreitetes Leiden, sie gehören zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen. Fast jeder Dritte leidet immer wieder unter Schmerzen im Rücken, bei mehr als der Hälfte davon sitzt der Schmerz im Kreuz. Wird das Leiden chronisch, kann er das ganze Leben beeinträchtigen. Aber woher kommen die unsäglichen Schmerzen im Kreuz überhaupt?

Schwache Rumpfmuskulatur

Meistens ist eine zu schwache Rumpfmuskulatur die Ursache, sagt Hans-Raimund Casser, ärztlicher Leiter des DRK Schmerzzentrums Mainz. Typischerweise seien die tiefer liegenden Rückenmuskeln dann zu untrainiert, um den Rücken in gesunder Weise aufrecht zu halten. Weil sie versuchen, diese Schwäche zu kompensieren, verhärten und verspannen sich die oberflächlichen Muskeln im Kreuz. Das wiederum kann zu einer leichten Verschiebung der Gelenke zwischen den Wirbeln oder zwischen Wirbeln und Kreuzbein führen – und das schmerzt dann.

Doch auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle. Denn wenn wir etwa wegen Sorgen dauerhaft angespannt sind, verkrampft sich unsere Muskulatur. Viele seiner Patienten mit Rückenschmerzen stünden häufig beruflich unter Druck, sagt Casser. „Stress und sogenannter Burnout, der ja im Grunde eine Form der Depression ist, können Rückenschmerzen befördern. Und sie nehmen in der Arbeitswelt immer mehr zu“, sagt Casser. Vielleicht seien die immer stärkeren Anforderungen schuld, die heute an Arbeitnehmer gestellt werden. Oder neue Medien, die zur ständigen Erreichbarkeit führen. Oft bestehe auch eine Wechselwirkung, die in einen Teufelskreis münden kann. So führt Stress zu Rückenschmerzen, die Schmerzen wiederum werden zum Stressfaktor, weil Patienten im Alltag eingeschränkt sind< und ihnen ein Ausgleich fehlt. „Auch die Angst, zu lange im Job zu fehlen, kann die Schmerzen befeuern“, sagt der Direktor des Schmerzzentrums.

OPs nur selten nötig

Im Schmerzzentrum Mainz setzt man daher auf eine multimodale Therapie. Patienten werden dort von Ärzten, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten gleichermaßen behandelt, die im engen Austausch miteinander stehen. Ein Ansatz, der bei chronischen Schmerzen als der erfolgversprechendste gilt.

Mediziner überprüfen dabei zunächst, ob eine ernste Erkrankung vorliegt, die vielleicht sogar eine Operation erfordert. Das ist häufig bei einem Tumor der Wirbelsäule, Entzündungen oder einem schweren Bandscheibenvorfall der Fall. Casser zufolge kommt das alles aber nur äußerst selten vor. Einen echten Bandscheibenvorfall etwa gebe es nur bei ungefähr einem von hundert Patienten. Und nur in zehn Prozent der Fälle müsse er tatsächlich operiert werden. Den meisten Patienten aber helfen regelmäßige Bewegung und Muskeltraining. Diese Information teilt der Arzt dem Physiotherapeuten mit, der dann weiß, dass er den Betroffenen bei Übungen fordern kann.

Und er informiert auch den Psychotherapeuten, der dem Patienten Ängste nehmen und ihn zur Bewegung motivieren kann, ihn beim Stressabbau und im Umgang mit dem Schmerz unterstützt. „Indem die psychische Komponente berücksichtigt wird, kann man den Leidensdruck senken. Denn Schmerzempfinden ist immer auch subjektiv“, sagt Casser. Schmerzstillende Medikamente können auch eingesetzt werden, „sie sollten aber immer nur eine unterstützende Maßnahme sein“, sagt der Experte. Etwa, um den Einstieg in die Physiotherapie zu erleichtern. Spritzen oder Tabletten allein könnten bei chronischen Schmerzen die Ursache nicht beseitigen.

Rückenschmerzen vorbeugen

Am besten sei es natürlich ohnehin, wenn es gar nicht erst zu Schmerzen kommt. Zu den wirksamsten Sportarten, um dem vorzubeugen, gehört das Schwimmen. „Es ist aber leider extrem unbeliebt, nicht jeder hat Lust, ins Schwimmbad zu gehen“, sagt Casser. Das Gleiche gelte für Gymnastik: „Das ist vielen zu langweilig.“ Er empfiehlt Nordic Walking, das man am unter Anleitung erlernen sollte. „Für den Rücken ist das eine ideale Bewegungsform und dazu gesünder als Joggen, das die Gelenke belasten kann.“ Auch das Fitnessstudio sei eine Alternative. Allerdings ist auch hier die richtige Ausführung der Übungen an den Geräten wichtig. Casser rät dazu, sich von einem Physiotherapeuten die Grundlagen für rückengesundes Training beibringen zu lassen – und dann ein Studio mit einem qualifizierten Trainer zu besuchen. Anfangs können ungewohnte Bewegungen anstrengend für den Rücken sein. Daher rät Casser jedem, der bereits gelegentlich unter Schmerzen leidet, bei einer bereits vertrauten Sportart zu bleiben. „Dabei kann man am wenigsten falsch machen.“

Von RND/Irene Habich

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