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Krumme Geschäfte mit viel Papier: Mittdreißiger schädigt Kriebethaler Fabrik
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Justiz Krumme Geschäfte mit viel Papier: Mittdreißiger schädigt Kriebethaler Fabrik

Gelegenheit macht Diebe. Diese Binsenweisheit passt auf den Fall, den Strafrichterin Marion Zöllner am Donnerstag im Amtsgericht Döbeln verhandelte. Ein Betrieb in Kriebethal hatte es dem Angeklagten nicht gerade schwer gemacht, palettenweise Papier zu unterschlagen und zu verhökern.

Jede Menge Papier hat ein Mittdreißiger unterschlagen und weiterverkauft. Im Prozess am Amtsgericht Döbeln räumte er die Taten ein.

Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)

Region Waldheim/Döbeln. Unterschlagung ist gewissermaßen die Schwester des Diebstahls, bei beiden Vergehen geht es darum, sich rechtswidrig fremde Sachen anzueignen. Zum Beispiel palettenweise Papierprodukte aus einer Kriebethaler Fabrik.

Ein sympathischer junger Mann Mitte der 30 saß da neben seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Enrico Brand, im Sitzungssaal 203 des Amtsgerichtes Döbeln. Keine Vorstrafen, berufstätig, zahlt brav Unterhalt. Und erzählte dem Gericht, wie ihn die Gelegenheit zum Dieb machte – genauer gesagt, zum Papierunterschlager. Der Mann aus der Region Waldheim arbeitete bei einem Fuhrbetrieb, der die Zellstoffprodukte zu den Kunden lieferte. Er wusste, dass die Datenverarbeitung des Betriebes manche Papierpaletten nicht erfasste. Diese Ware gibt es dann buchungstechnisch gar nicht. Diese stellte er beiseite und verhökerte sie an einen Restpostenaufkäufer. Zwischen 2014 und 2016 wechselten so 80 Paletten illegalerweise den Besitzer. Schaden für das Papierwerk: Rund 36 000 Euro. Der Mittdreißiger bekam dafür 65 bis 95 Euro pro Palette, verdiente also bis zu 7600 Euro „Wir hatten mal eine Palette mit Transportschaden. Die konnten wir nicht weiterkaufen. Diese haben wir dann ganz legal und offiziell an den Restpostaufkäufer veräußert“, schilderte der Mann, wie der Kontakt zu seinem Abnehmer zustande kam. Der rief später wieder an, ob es Ware gäbe, der Mittdreißiger verneinte dies, machte dann aber mit Resteaufkäufer jene illegalen Geschäfte. Geld bekam er nicht auf die Hand, sondern indirekt. Sein Abnehmer kaufte leere Paletten und gab sie dem Mann aus der Region Waldheim. Der wiederum verkaufte sie selbst wieder und kam so zu seinem Geld.

Kriminelle Energie fällt negativ auf

Vor Gericht gab er nun zu, einen Riesenfehler gemacht zu haben. Die Unterschlagungen flogen auf, als die Papierware des Kriebethaler Werkes in einem Markt auftauchten, der diese Handelsmarke eigentlich gar nicht verkauft. Bereits bei der Polizei gestand der Angeklagte die Taten. „Er ist auf diese dämliche Idee gekommen, die Ware auszusondern und zu veräußern“, sagte Rechtsanwalt Enrico Brand in seinem Schlussvortrag. Er beantragte genauso wie Staatsanwalt Alexander Länge, seinen Mandanten wegen veruntreuender Unterschlagung in 80 Fällen zu verurteilen. Allerdings hielt Rechtsanwalt Brand eine geringere Strafe für tat- und schuldangemessen, als der Staatsanwalt. Der hatte ein Jahr und acht Monate Haft mit Bewährung gefordert und dazu 8000 Euro Geldauflage. „Eine Geldauflage ist sicher richtig, aber so hoch darf sie nicht sein“, sagte Enrico Brand.

Richterin Marion Zöllner folgte im Schuldspruch den Anträgen und verhängte als Rechtsfolge aber anderthalb Jahre Haft mit Bewährung. Nur 3000 Euro soll der Mittdreißiger nun als Geldauflage an die Kindervereinigung zahlen. „Ihr Geständnis und Ihre Reue sind positiv zu werten. Sie haben sehr geholfen die Angelegenheit aufzuklären. Allerdings fällt der hohe wirtschaftliche Schaden negativ ins Gewicht – auch dass Sie einige kriminelle Energie aufgewendet haben. Ich habe aber trotzdem keine Bedenken, dass sie künftig weitere Straftaten begehen“, sagte Richterin Zöllner, weshalb sie dem Mann guten Gewissens Bewährung geben konnte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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