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Frau geschlagen: Eilenburger zu Bewährungsstrafe verurteilt
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Amtsgericht Frau geschlagen: Eilenburger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein 32 Jahre alter Eilenburger wurde vom Eilenburger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass er seine Ex-Frau geschlagen hatte.

Das Eilenburger Amtsgericht.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Für eine Geldstrafe sah Amtsrichterin Carmen Grell bei diesem Fall das Maß überschritten: Die Verletzungen, die ein 32-jähriger Eilenburger seiner Ex-Frau im vergangenen Jahr beibrachte, seien dafür zu erheblich gewesen. Für vorsätzliche Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen verurteilte die Richterin den Angeklagten Peter K. (Namen geändert) zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Sie blieb damit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung forderte, und über dem Antrag der Verteidigerin, die auf vier Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung plädierte.

Insgesamt waren zwei Verhandlungstage im Eilenburger Amtsgericht angesetzt, die teils turbulent verliefen, weil sich Zuschauer lautstark zu Darstellungen der Anklageseite, aber auch der Verteidigung äußerten. Mehrfach musste die Richterin zur Ruhe mahnen. Verhandelt wurde ein nahezu typischer Fall von häuslicher Gewalt, der im Prozessverlauf noch einen anderen Aspekt bekam. Oft genug kommt es nicht zur Anklageerhebung, weil sich Opfer nicht trauen, zur Polizei zu gehen, auch ist die Beweislage oft schwierig. Meist steht dann Aussage gegen Aussage, weil Zeugen oft nicht verfügbar sind.

Familie und Freunden eine heile Welt vorgegaukelt

Sophie K. (Name geändert) hatte jedoch Anzeige erstattet, weil ihrer Meinung nach ihr Mann eine Grenze überschritten habe. Nach einem heftigen Streit im Auto hatte er sie und das Kind auf offener Strecke ausgesetzt. Eine Passantin brachte beide zur Schwester der Geschädigten. Ihr hatte sich Sophie K. dann offenbart, von ständigen Auseinandersetzungen, Schlägen und Tritten berichtet. Die Schwester riet zur Anzeige. Sophie K. erstattete sie – zog sie aber später wieder zurück. Zeugen berichteten, dass es ein ständiges Auf und Ab in der Liebesbeziehung gab. Mit der Rücknahme der Anzeige schien zunächst wieder alles im Lot zu sein. Doch die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des besonderen öffentlichen Interesses weiter. Die Anklageschrift flatterte dem Paar just in dem Moment in die Wohnung, als die Partnerschaft wieder gekittet schien. Peter K., psychisch labil, fühlte sich betrogen. Erneut eskalierte die Lage.

In der Beweisaufnahme gelang es, wichtige Details der Auseinandersetzungen herauszuarbeiten. Auch deshalb, weil die Geschädigte ihre Verletzungen dokumentieren ließ. Allerdings zunächst unter einen anderen Vorwand. Gegenüber den behandelnden Medizinern habe sie stets Unfälle als Ursache angegeben. Auch nach außen, gegenüber der Familie und Freunden, wurde eine heile Welt vorgegaukelt. Es sei alles in Ordnung, es gebe keine Probleme in der Partnerschaft.

Als sich Sophie K. wegen eines verletzten Ohres behandeln ließ, erklärte sie, sie habe einen Ball aufs Ohr bekommen. Tatsächlich aber hatte sie ihr Mann mit der flachen Hand geschlagen, was der Angeklagte in der Verhandlung auch einräumte. Übrigens das einzige Geständnis des 32-Jährigen. Das Ohr musste operiert werden. Alle anderen ihm vorgeworfenen Taten stritt er ab. So gab es noch einen gebrochenen und einen ausgekugelten Finger, Bisswunden am ganzen Körper, auch ausgerissene Haare. Alles Folgen der Gewalt gegen die Ehefrau, davon ging die Richterin aus.

Gemeinsames Kind lebt derzeit bei Pflegefamilie

Nicht nachweisbar waren dagegen Tätlichkeiten, die der Vater gegenüber seinen einjährigen Sohn vollzogen haben soll. Zeugen bescheinigten Peter K. einen guten Umgang mit ihm, wie auch mit seinen drei anderen Kindern aus einer anderen Partnerschaft. Verletzungen wurden am Kind nicht bemerkt.

Im Plädoyer der Verteidigung griff Rechtsanwältin Ute Mollenhauer allerdings eine Aussage eines Zeugen auf, der von einem Schlachtplan sprach. Von einem Plan, Peter K. ins Gefängnis zu bringen, um bessere Karten in der Sorgerechtsverhandlung zu haben. Ein vorbestrafter Vater habe bekanntlich nicht so gute Chancen. Der gemeinsame Sohn ist derzeit in einer Pflegefamilie, das Amt prüft, ob der Junge zu Vater oder Mutter zurückkehren kann. Sophie K. hat bereits zwei Kinder, für die sie aber nicht in der Lage war, zu sorgen. Auch sie sind in Pflegefamilien.

Peter K., bisher gerichtlich nicht auffällig, sitzt derzeit in Untersuchungshaft, muss sich in Kürze aber wahrscheinlich noch schwerwiegenderen Vorwürfen stellen. Auch sie stehen im Zusammenhang mit der „kaum reifen Beziehung, bei der sich die Partner stark emotional angezogen fühlen, aber Verantwortung und Vernunft nicht ausgeprägt sind“, wie es ein Psychotherapeut erklärte.

Von Ditmar Wohlgemuth

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