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Kostenexplosion: Steuerungsgruppe soll Planern auf die Finger schauen
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Kita Sonnenweg Kostenexplosion: Steuerungsgruppe soll Planern auf die Finger schauen

Schadenbegrenzung lautet die Devise bei der Kita Sonnenweg in Zöbigker. Nachdem die Kosten schon vor Baustart um 800 000 Euro auf 3,4 Millionen Euro gestiegen waren (die LVZ berichtete), geht das Dilemma jetzt mit der ersten Vergabe weiter. Der Rohbau liegt rund 80 000 Euro über der veranschlagten Summe von 517 330 Euro. Eine Steuerungsgruppe aus Vertretern der Stadt und der Fraktionen soll es nun richten, dem Planungsbüro HSP stärker auf die Finger schauen.

Auf dieser Fläche an der Ecke Sonnenweg/Schmiedestraße in Zöbigker soll die neue Kita entstehen.

Quelle: Ulrike Witt

Markkleeberg. Schadenbegrenzung lautet die Devise bei der Kita Sonnenweg in Zöbigker. Nachdem die Kosten schon vor Baustart um 800 000 Euro auf 3,4 Millionen Euro gestiegen waren (die LVZ berichtete), geht das Dilemma jetzt mit der ersten Vergabe weiter. Der Rohbau liegt rund 80 000 Euro über der veranschlagten Summe von 517 330 Euro. Eine Steuerungsgruppe aus Vertretern der Stadt und der Fraktionen soll es nun richten, dem Planungsbüro HSP stärker auf die Finger schauen.

„Dass der Rohbau über Plan liegt, ist sehr ärgerlich. Wir haben auch schon daran gedacht, das Büro zu wechseln, aber das würde am Ende noch teurer werden“, erklärte Bürgermeisterin Jana Thomas am Donnerstagabend in der Sondersitzung des Stadtrates im Kleinen Lindensaal. Die war nach der letzten Sitzung des Technischen Ausschusses am 28. Februar einberufen worden, als das neuerliche Problem offenbar wurde. Letztlich sei das Risiko für die Stadt zu groß, investive Fördermittel könnten verloren gehen, die Bauzeit nicht eingehalten und zusätzliche Mittel für die Anmietung der Container für die Interims-Krippe in der Raschwitzer Straße benötigt werden, konstatierte Thomas nun in großer Runde.

„Unser Ziel muss die Einhaltung der 3,4 Millionen Euro Gesamtbaukosten sein. Dafür müssen alle Einsparpotenziale erschlossen werden“, betonte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Gerhard Pötzsch von der CDU, selbst Bauingenieur, fragte: „Wenn das schon beim Rohbau so ist, wohin soll das noch führen?“ Dafür reichten weder die Fördermittel von insgesamt 2,2 Millionen Euro noch die 1,2 Millionen Euro Eigenmittel. „Bei einem Bürowechsel könnten wir am Ende auf 3,6 Millionen Euro kommen“, machte Schütze deutlich.

„Die ganze Vorgehensweise hinterlässt bei uns Ratlosigkeit. Dem Büro hätte frühzeitig gekündigt werden müssen. Jetzt geht es nur noch um Schadenbegrenzung“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dieter Bormann. Im schlimmsten Fall könne die Stadt 1,78 Millionen Euro Krippen-Fördermittel des Bundes verlieren, müsste 500 000 Euro Honorar an das Büro zahlen, möglicherweise auch noch Gerichtskosten, 140 000 Euro für ein weiteres Jahr Containermiete und wahrscheinlich auch noch 50 000 Euro für die Verlängerung der Betriebserlaubnis der Kita in der Hauptstraße 15 in die Hand nehmen, rechnete der Rathauschef detailliert vor.

„Ist der Architektenvertrag geprüft worden? Bei so einem Kostenplus kann doch das Büro haftbar gemacht werden“, regte Pötzsch an. Sinnvoll sei auch eine Massenüberprüfung. Bormann wollte wissen, ob das Büro den Bebauungsplan kannte und wenn ja, warum es sich nicht daran gehalten hat. „Natürlich war der B-Plan bekannt. Ursprünglich sollte aber eine Kita mit 80 Plätzen gebaut werden, jetzt mit 130. Folglich musste eine größere Nutzfläche her. Deswegen wurde die Dachform geändert“, sagte Bauamtsleiter Klaus Hartig. Und er erinnerte daran, dass die zuerst vorgelegten 2,4 Millionen Euro Baukosten auf einer Schätzung beruhten: „Die Kostenexplosion ist nicht planerisch bedingt, sondern weil wir keine reale Basis hatten.“ Außerdem sei er überzeugt, dass beim Überarbeiten der Leistungsverzeichnisse 100 000 Euro eingespart werden können. „Aber bitte nicht bei der Qualität“, warf Nikolaus Legutke von der SPD ein.

Die Steuerungsgruppe soll nun jeden Cent umdrehen, alles bis ins kleinste Detail dokumentieren und die Stadtverwaltung vom zuletzt vor allem immer wieder von der CDU benannten Vorwurf der Intransparenz befreien. Nur fühlt sich dafür nicht jeder fachlich berufen. „Bei uns Linken hat keiner die Baukenntnisse“, gestand Bormann. Die CDU wiederum fürchtete, dass ihr Handwerksmeister Andreas Hesse bei einer Mitarbeit in der Steuerungsgruppe bei einer späteren Vergabe „verbrannt“ sein könnte. Schütze bat alle Fraktionen, dass Angebot anzunehmen: „Wir brauchen ihre Hilfe.“

Mit sorgenvollen Gesichtern stimmte der Stadtrat schließlich mehrheitlich der Rohbauvergabe zu. Und das war auch notwendig: Immerhin soll laut Hartig schon am 20. März Baustart für die neue Kita im Sonnenweg sein.

Von Ulrike Witt

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