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Lachen, Lieben, Leben – Das war der Sonntag in der LVZ-Autorenarena
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Buchmesse Lachen, Lieben, Leben – Das war der Sonntag in der LVZ-Autorenarena

Rasant waren die Wechsel auch am letzten Tag in der LVZ-Autorenarena, etwa von Bernd Stelter zu Dagmar Manzel oder von Katrin Weber zu Bernd-Lutz Lange.

Heinrich Heine als Impulsgeber: die Lyrikerin Nora Gomringer.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Der letzte Tag der Buchmesse beginnt mit zwei Premieren: Erstmals moderiert Nathalie Rippich. Ihr Gast Nora Gomringer stellt den einzigen Lyrik-Band der diesjährigen Autorenarena vor. „Moden“ ist der dritte Teil der „Trilogie der Oberflächen und Unsichtbarkeiten“. „Woher kommt Ihre Liebe zur Sprache“, will Rippich von der Autorin wissen. Gomringer nennt Vorbild Heinrich Heine als Impulsgeber: „Er war immer mein absoluter Favorit“. Als Hommage rezitiert sie „Guter Rat“ aus dem Stegreif und sichert sich ihren Applaus.

Ebenso auf Knopfdruck funktionieren will Bernd Stelter – den nächsten Lacher immer vor Augen. Auch in seinem zweiten Krimi wollte er das nicht verstecken. „Bei mir sterben die Leute fröhlich“, sagt der Comedian über „Der Killer kommt auf leisen Klompen“, in dem der niederländische Inspecteur Piet van Houvenkamp wieder auf einem Camping-Platz ermittelt. Die nötige Inspiration hierfür holt sich Stelter als begeisterter Wohnwagenbesitzer im Urlaub und schwärmt im Gespräch mit Nathalie Rippich für seine Hauptfigur: „Piet ist so, wie ich gerne wäre. Er hat eine fantastische Vernehmungstechnik.“

„Jetzt wird es ein bisschen ernster“ kündigt Norbert Wehrstedt im Anschluss Schauspielerin Dagmar Manzel an. In „Menschenskind“, einer Autobiografie, die in Interviewform mit Radiomoderator Knut Elstermann entstanden ist, schaut sie zurück auf ihr Leben: „Ich war selber überrascht, wie viel ich in fast 60 Jahren erlebt habe.“ Kritisch blickt die „Tatort“-Kommissarin auf die Fernsehwelt: „Das ist oft schwierig. Ich versuche mich von den ganzen Quoten nicht abhängig zu machen und spiele wirklich nur Rollen, bei denen mir die Drehbücher zusagen.“

„Nie war mir etwas so peinlich“

Auch Katrin Weber spricht in „Sie werden lachen“ über ihr Leben. Laut Mark Daniel hält das Buch mit unglaublichen Missgeschicken, was der Titel verspricht. Kurios: „Auch wenn Sie es nicht glauben können, es ist alles wahr und nur eine kleine harmlose Auswahl vom großen Ganzen“, sagt die Autorin. Im Gespräch berichtet sie pointensicher von fatalen Rollenwechseln in einer Berliner Diskothek („Nie war mir etwas so peinlich.“) und dem Sturz in eine Bühnenversenkung – wohlgemerkt im Kostüm einer Prostituierten: „Da können Sie in der Notaufnahme zehn Mal sagen, dass sie gerade aus dem Theater kommen“.

Mark Daniel begrüßt seinen nächsten Gast ausnahmsweise nicht mit Lob, sondern mit Kritik. „Da fehlt doch ein Apostroph“, sagt er über Bernd-Lutz Langes neues Buch „Das gabs früher nicht. Ein Auslaufmodell zieht Bilanz“. Der Kabarettist erwidert: „Sehen Sie, Sie sollen hier ja auch was lernen. Mein Verlagsleiter wird Ihnen später erklären, warum man das jetzt so machen darf.“ Passend: Der Autor rechnet in seinem Buch mit dem Zeitgeist ab, schreibt über Helikopter-Eltern, Tattoos und Englisch-Unterricht, Dinge, „die es früher nicht gegeben hat“. Auf die Frage, was ihn dabei am meisten störe, antwortet Lange: „Grundsätzlich habe ich zwar kein Problem mit Graffiti, aber dieses flächendeckende Gekrakel auf Augenhöhe, muss nicht sein.“

Journalistin Nadja Schlüter beschreibt in ihrem Prosa-Debüt „Einer hätte gereicht“ schwierige und besondere Geschwisterkonstellationen. Diese seien im realen Leben nicht immer kompliziert. Trotzdem: „Sie haben immer Konfliktpotenzial“, sagt die Autorin, die in ihrer Familie selbst eines von vier Kindern ist. Die Beziehungen zu ihren drei Schwestern habe sie im Buch bewusst ausgespart. Trotzdem scheint sie einen Nerv zu treffen und berichtet: „Nach Lesungen kommen auch Menschen zu mir, die keine Geschwister haben und sich nicht vorstellen können, wie das ist.“

Der Miesepups hat schlechte Laune

„Der Miesepups“ ist die Hauptfigur in Kirsten Fuchs ’ gleichnamigem Buch für Kinder. Er hat schlechte Laune, lebt in einer Höhle und will diese nicht verlassen. Autorin Fuchs beschränkt sich nicht auf Kinderbücher, schreibt auch für Erwachsene. Was ihr leichter falle, will Moderatorin Nadine Marquardt wissen. „Schwerer fällt es für Kinder, weil man nicht jede Humorform produzieren kann – Ironie zum Beispiel“, antwortet Fuchs.

Olaf Majer verspricht im Anschluss etwas Spannendes, besser gesagt „seine Entdeckung der diesjährigen Buchmesse“, als er Ulrich Schachts „Notre Dame“ vorstellt. Der Debütroman des Autors sei eine „fast unmögliche Liebesgeschichte“, die im Leipzig des Herbsts 1989 spielt. Der deutsche Journalist Torben lernt in der Moritzbastei die junge Studentin Henrike kennen. Obwohl beide in festen Bindungen stecken, verstricken sie sich in eine gewaltige Liebe. Im Gespräch schildert Schacht seine eigene Sicht auf „eine komische Revolution“ in der DDR: „Sie ist eben ganz anders als für Revolutionen üblich abgelaufen, nämlich friedlich. Das ist doch komisch.“ Mit Blick auf die Liebe hält er fest: „Es gibt keinen Anspruch auf Glück.“

Auch zum Abschluss der diesjährigen Autorenarena treffen sich auf der Bühne Friedrich Schorlemmer und Olaf Majer – manche Traditionen gilt es zu erhalten. Im Jubiläumsjahr veröffentlicht der LVZ-Stammgast „Luther. Leben und Wirkung“ und preist den Reformator für seine Lebenslust und seine Leistungen für die deutsche Sprache. Zur Zeit gebe es leider Bestrebungen, ausschließlich die negativen Eigenschaften Luthers zu zeigen, sagt der Autor, würde ihm jedoch eine kritische Frage auch gern stellen: „Wie konntest du die Juden so hassen?“

Von Anton Zirk

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