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Formel 1 erwartet Krimi zum Saisonstart
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Motorsport Formel 1 erwartet Krimi zum Saisonstart

Nach dem Testfinale von Barcelona sucht die Formel 1 nach den Lehren für den Saisonstart in Australien. An der Spitze deutet sich ein Dreikampf an. Mercedes sieht sich nicht in der Favoritenrolle.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton bei den Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya.

Quelle: Jens Büttner

Barcelona. Lewis Hamilton fühlt sich getäuscht. Selbst auf den letzten Testkilometern der Formel 1 zwei Wochen vor dem Saisonstart rätselte der Titelfavorit noch immer, wie nah die Konkurrenz dem Branchenführer Mercedes im Winter gekommen ist.

"Ich glaube, Ferrari blufft, die sind viel schneller, als sie zeigen", sagte Hamilton zu den Eindrücken der Probetage von Barcelona, die nun endeten. Nach tausenden Übungsrunden mit den neuen Autos stellt sich die Formel 1 auf einen Krimi beim ersten Grand Prix in Melbourne am 26. März ein.

"Ich denke, Ferrari, Mercedes und Red Bull sind eng beieinander, vielleicht innerhalb von zwei oder drei Zehnteln. Es ist doch toll, dass das Feld enger zusammen ist", sagte Mercedes-Teamaufseher Niki Lauda. Vor allem die von Sebastian Vettel angeführte Scuderia lieferte sich mit den Silberpfeilen auf dem Circuit de Catalunya ein Duell um die Bestzeiten, obwohl gerade die Topteams bei den Probefahrten wie gewöhnlich ihre wahre Stärke zu verschleiern suchten.

So wurde Vettel dabei erwischt, wie er bei schnellen Runden gleich mehrfach am Ende kurz vom Gas ging, um das ganze Potenzial seines neuen SF70H nicht zu enthüllen. "Es geht doch gar nicht darum, wo man hier steht. Für Testfahrten bekommt man keine WM-Punkte", sagte Vettel, dessen Teamkollege Kimi Räikkönen am letzten Probetag mit 1:18,634 Minuten klar die beste Zeit fuhr. In der Tat wusste Ferrari auch in den vergangenen Jahren häufig bei den Tests zu gefallen, ehe dann in den Rennen die Enttäuschungen folgten. Das hat Vettel und sein Team vorsichtig gemacht.

Und doch weckten die Tage von Barcelona durchaus Zweifel daran, ob Mercedes seine Dominanz der vergangenen drei Jahre auch in den Neustart mit den schnelleren und schwerer beherrschbaren Autos retten kann. "Wir sind definitiv nicht sicher, dass wir vorn sind. Wir dürfen die anderen nicht unterschätzen und werden zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nicht sagen: Wir sind die Nummer eins", sagte der Finne Valtteri Bottas, der bei Mercedes den zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg ersetzt. Satte 1096 Runden konnten Hamilton und sein neuer Teamkollege an den insgesamt acht Tagen drehen.

Auch wenn Red Bull in Barcelona zumeist nicht ganz an die Topzeiten von Mercedes und Ferrari herankam, wird im Fahrerlager damit gerechnet, dass diese drei Teams auch in der neuen Saison mit klarem Abstand vor dem Rest des Feldes liegen. Von bis zu 1,5 Sekunden Vorsprung pro Runde auf das enge Mittelfeld, das wohl von Williams angeführt wird, ist die Rede.

Die größte Enttäuschung bislang ist erneut das Traditionsteam McLaren. Der völlig neue Honda-Motor erwies sich bei den Tests als zu schwach und zu empfindlich. Altmeister Fernando Alonso droht schon jetzt ein weiteres Frustjahr.

Dagegen zählt Vize-Weltmeister Hamilton schon die Tage bis zum Abflug nach Australien. "Wie auch immer es jetzt genau steht, ich kann es nicht erwarten, da raus zu gehen und mich mit ihnen zu messen", sagte der Brite. Seinen nächsten Auftritt im Silberpfeil hat Hamilton dann beim ersten offiziellen Training der Saison im Albert Park von Melbourne.

dpa

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