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HC Leipzig bekommt 200.000 Euro von der Stadt – unter Bedingungen
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Emotionale Debatte im Stadtrat HC Leipzig bekommt 200.000 Euro von der Stadt – unter Bedingungen

Die Stadt Leipzig greift dem hoch verschuldeten HCL mit 200.000 Euro unter die Arme – wenn der Verein selbst eine Million Euro aufbringen kann. Das entschied am Mittwoch der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit. Gerettet ist der Bundesligist damit noch nicht. Offenbar steht aber ein Investor bereit.

Grünes Licht: Der insolvenzgefährdete HCL bekommt Geld von der Stadt - wenn er selbst eine Million Euro aufbringen kann.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Eine Stunde lang wurde emotional diskutiert, die Abstimmung war am Ende eindeutig: Der Leipziger Stadtrat hat am Mittwochnachmittag beschlossen, den verschuldeten HCL mit 200.000 Euro vor der drohenden Pleite zu bewahren. Gerettet ist der Frauenhandball-Rekordmeister, den etwa 1,3 Millionen Euro Schulden plagen, damit aber noch nicht. Denn die Zahlung der Steuermittel an die HCL Bundesliga GmbH ist an harte Bedingungen geknüpft.

Als das Abstimmungsergebnis um 17.10 Uhr verkündet wurde, gab es Applaus von den Zuschauerrängen, wo HCL-Spielerinnen und Trainer Norman Rentsch die Debatte verfolgten. Eine Mehrheit von 37 Städträten stimmte dafür, dem Verein den Zuschuss zu gewähren. 21 Stadträte waren dagegen, fünf enthielten sich. Der Antrag war von SPD, Linken und Grünen unterstützt worden, CDU, AfD und die neu gegründete Freibeuter-Fraktion stimmten überwiegend dagegen.

Verein muss eine Million selbst aufbringen

Bevor die Finanzspritze ausgezahlt wird, muss der Verein eine Million Euro selbst aufbringen - so stand es in der Beschlussvorlage. Denkbar seien Investorenzahlungen, Gläubigerverzichte oder Unterstützungsleistungen, die detailliert nachgewiesen werden müssen. Wie es im Stadtrat hieß, stehe offenbar ein bislang unbekannter Investor bereit, mit 600.000 Euro zu helfen. Abgelehnt wurde von den Räten ein Antrag, dem Verein ein zusätzliches Darlehen von 100.000 Euro zu gewähren. Dieses wäre möglicherweise rechtswidrig gewesen. "Wir sind keine Bank", erklärte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Die Stadträte hatten sich zuvor eine leidenschaftliche und kontroverse Debatte geliefert. „Ich habe das Gefühl, dass wir Geld in ein Fass ohne Boden werfen. Profisport lebt von Sponsorengeld und nicht von Steuergeld“, begründete CDU-Stadtrat Frank Tornau die Haltung seiner Fraktion. „Einen Neuanfang kann ich nicht erkennen“, verwies Tornau auf die HCL-Chefetage, die die Schieflage zu verantworten habe. „Wenn Manager mit dem Jaguar durch die Landschaft fahren, ist das das falsche Signal“, so CDU-Kollege Achim Haas. Grünen-Stadtrat Michael Schmidt erklärte, dem Management seien zweifelhaft Fehler anzulasten, er nahm jedoch auch die Städträte in die Pflicht. „Hat jemand kritisch aus unseren Reihen die finanzielle Situation hinterfragt?“ Schon seit Jahren hätten die Bilanzen hohe sechsstellige Fehlbeträge ausgewiesen.

Freibeuter fordern, „Reset-Knopf“ zu drücken

Grüne, SPD und Linke verwiesen auf die sportlichen Erfolge des Clubs ebenso wie die anstehenden Spiele der Frauenhandball-WM, die ohne den HCL nicht nach Leipzig gekommen wären. „Der HCL war über 20 Jahre das sportliche Aushängeschild der Stadt", sagte Margitta Hollick (Linke). SPD-Stadträtin Nicole Wohlfahrt erklärte: „Wir ermöglichen es einer Spielbetriebs Gmbh, die Frauensport auf einem großen Podium betreibt, zu überleben.“ Das Geld komme nur dann zur Auszahlung wenn sämtliche Bedingungen erfüllt würden und „klar ist, dass eine Rettung gelingt“, betonte Grünen-Stadtrat Schmidt. 

Naomi-Pia Witte von den Freibeutern warb vergeblich für einen geordneten Neustart: „Eine Insolvenz ist dazu da, den Reset-Knopf zu drücken, um neu anzufangen. Auch eine Insolvenz ist eine nachhaltige Rettung.“ Mit dem Kader der nächsten Saison werde der Verein wahrscheinlich gegen den Abstieg kämpfen, meinte sie. „Schicken wir den Verein jetzt über die Insolvenz in die dritte Liga, hat er die Chance in die zweite Liga aufzusteigen, das ist unserer Meinung nach der faire sportliche Weg“, so Witte.

Bis 2019 keine weiteren Zuschüsse

Der Verein wurde vom Stadtrat unter anderem verpflichtet, ein tragfähiges Konsolidierungs- und Sanierungskonzept durch einen Wirtschaftsprüfer vorzulegen. Durch die Bedingungen solle sichergestellt werden, „dass das Unternehmen eine hinreichende Wahrscheinlichkeit hat, dass es gerettet werden kann“, hieß es in dem Verwaltungsstandpunkt, der zur Abstimmung stand. Die Finanzhilfe hat für den Club eine weitere Konsequenz: Bis 2019 erhält der HCL keine weiteren Zuschüsse von der Stadt.

Ursprünglich stand ein städtischer Zuschuss von 300.000 Euro im Raum. Darauf hatten sich die Fachausschüsse für Sport und Finanzen in der Vorwoche geeinigt – sie änderten den übergreifenden Antrag von SPD, Grünen und Linkspartei aber in einem entscheidenden Punkt. Nur 200.000 Euro sollten als Beihilfe und 100.000 Euro als Darlehen ausgezahlt werden. Letzteres entpuppte sich nachträglich als Knackpunkt. Der Darlehensplan verschwand aus der Vorlage – weil die Kreditauszahlung durch die Stadt rechtlich problematisch wäre.

Stattdessen soll der HCL den Fehlbetrag von 100.000 Euro nun „durch verstärkte Anstrengung der GmbH in den nächsten Monaten“ abbauen. Wie dies gelingen kann, blieb zunächst offen. Auch die Lizenzierung für die neue Saison ist noch unklar. Die Bekanntgabe der Spielberechtigungen durch die Handball Bundesliga Frauen (HBF) erfolgt voraussichtlich am Freitag.

Von Robert Nößler / Klaus Staeubert

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