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Zwölf Festnahmen nach Dortmunder Angriffen auf Fans von RB Leipzig
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Polizei vom Hass geschockt Zwölf Festnahmen nach Dortmunder Angriffen auf Fans von RB Leipzig

Die Auswärtsfahrt nach Dortmund endete für gut ein Dutzend Fans von RB Leipzig im Krankenhaus. Die Anhänger der Roten Bullen wurden schon beim Anmarsch zum Stadion mit Steinen und vollen Dosen traktiert.

Aggressive BVB-Fans wurden am Samstagabend auch im ZDF-Sportstudio gezeigt.

Quelle: Screenshot ZDF-Sportstudio

Leipzig. Vor, während und nach der Bundesliga-Partie von RB Leipzig bei Borussia Dortmund am Samstagabend sind Leipziger Fans von Anhängern des Gastgebers angegriffen worden. Beim Spiel selbst wurden unzählige Dortmunder Banner mit Schmähbotschaften in Richtung RB Leipzig enthüllt – einige der Spruchbänder enthielten auch Botschaften unter der Gürtellinie, die nun vom DFB-Kontrollausschuss geprüft werden.

Bei ihrer Ankunft am Dortmunder Stadion wurden die Leipziger Fans unter anderem mit Flaschen beworfen. Die Angreifer nahmen dabei auch keine Rücksicht auf Kinder.

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Etwa 350 bis 400 Anhänger aller Dortmunder Ultra-Gruppierungen hatten sich laut Polizei bereits weit vor Spielbeginn im Bereich des früheren BVB-Stadions „Rote Erde“ – das von Dortmundern vor Spielen ihrer Mannschaft auch gern zum „Vorglühen“ benutzt wird – getroffen. „Ziel dieser Personen war es offensichtlich, den Leipziger Mannschaftsbus gewaltsam zu stoppen und anzugreifen. Dieses Szenario konnte aber in Zusammenarbeit mit dem BVB verhindert werden: Der Mannschaftsbus erreichte sicher und unbeschädigt auf einer spontan geänderten und nicht vorhersehbaren Route das Stadion“, heißt es dazu im Polizeibericht.

Einsatzleiter schockiert: „Hasserfüllte Fratzen“

Anschließend richteten sich die Aggressionen einiger BVB-Fans gegen die ebenfalls anreisenden Anhänger des Leipziger Bundesligisten. Trotz Präsenz zahlreicher Einsatzkräfte habe sich die aufgeheizte Stimmung immer weiter hochgekocht. „Die Gewalt richtete sich nun gegen jeden erkennbaren Leipziger Anhänger – unabhängig davon, ob es sich dabei um Kinder, Frauen oder Familien handelte“, berichtet die Dortmunder Polizei. Und Einsatzleiter Edzard Freyhoff ergänzte: „Mit einem massiven Polizeieinsatz, auch unter Einsatz von Pfefferspray und Einsatzmehrzweckstöcken, haben wir noch Schlimmeres verhindert! Solche Bilder, in solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen –ich bin schockiert!“

Die RB-Fans selbst beklagten, es habe zu wenige Polizisten gegeben, die ihre Anreise zum Dortmunder Stadion beschützt hätten. In Videos, die am Sonntag auf Fanportalen im Web kursierten, ist zu sehen, dass zum Teil nur einzelne Polizisten an der Strecke stehen und sich RB-Fans der Pöbeleien von Dortmundern erwehren müssen. „Wir fühlten uns wie Vieh, dass zur Schlachtbank geführt wird“, so der Leipziger Anhänger Winfried M. Ein anderer RB-Fan berichtet gegenüber LVZ.de, neben Steinen, Dosen, Ketchup, Senf und Farbe seien auch Böller in die Menge geworfen worden – ohne Rücksicht auf minderjährige und weibliche Leipziger Fans.

Leipzigs Linken-Stadtrat Sören Pellmann twitterte am Samstagabend, er sei von BVB-Fans als Jude bezeichnet worden. Auch andere Leipziger Fans wollen antisemitische Parolen gehört haben. Allerdings gibt es auch Angaben, dass einige der Leipziger auf die pöbelnden Dortmunder Fans ebenfalls provozierend reagiert und teilweise vermummt „Hier regiert der RBL“ gebrüllt hätten. Tätliche Angriffe gingen jedoch nur von BVB-Seite aus, hieß es. Wie die Polizei mitteilte, wurden elf Personen aus dem BVB-Fanlager und ein Leipziger Unterstützer als mutmaßliche Straftäter vorläufig festgenommen.

Gut ein Dutzend Leipziger Anhänger soll laut Augenzeugen am Samstagabend noch in Dortmunder Krankenhäusern behandelt worden sein. Die Dortmunder Polizei hat bisher sechs Fälle registriert. Zu den Verletzungen gehörten gebrochene Nasen und Platzwunden. Alle behandelten Fans hätten später aber wieder den Weg in Richtung Heimat antreten können.

Diffamierende Transparente im BVB-Block

Im Stadion selbst blieb die Stimmung auch nach dem Anpfiff weiter aufgeheizt. BVB-Fans zeigten herabwürdigende Transparente, in denen unter anderem von "Bullen schlachten" oder "Pflastersteine auf die Bullen" die Rede war. Auf einem Spruchband wurde RB-Sportdirektor Ralf Rangnick dazu aufgerufen, Selbstmord zu begehen. Aus dem Fanblock der Schwarz-Gelben heraus wurde offenbar versucht, per Laserpointer aktiv ins Spielgeschehen einzugreifen. So kreiste beispielsweise bei einem RB-Freistoß vor der gelben Wand um den ausführenden Dominik Kaiser erkennbar das Licht von mehreren Laserpointern.

Während des Spiels Borussia Dortmuns gegen RB Leipzig war die Stimmung aufgeheizt. BVB-Fans zeigten herabwürdigende Transparente, in denen unter anderem von "Bullen schlachten" oder "Pflastersteine auf die Bullen" die Rede war.

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Der Polizei sind die Entgleisungen nicht verborgen geblieben. So schreibt Polizeidirektor Edzard Freyhoff: „Die Süd war ein einziges Meer voller Banner und Plakate mit teilweise diffamierendem, beleidigendem und beschämendem Inhalt. Auch in diesen Fällen werden wir dem Anfangsverdacht von Straftaten (Beleidigungen) nachgehen“, so der Dortmunder am Sonntag. Die Behörden wollen zur Ermittlung der Täter auch Videobilder aus dem Stadion einsetzen.

Während der Live-Übertragung beim Pay-TV-Sender Sky war nicht zuletzt zu sehen, wie eine etwa 30 Zentimeter lange Eisenstange zur Halbzeitpause in Richtung Spielfeld geworfen wurde. Nach Angaben des Senders verfehlte das Geschoss nur knapp einen Mitarbeiter. Wie LVZ.de erfuhr, soll nun sowohl dieser Eisenstangenwurf als auch mehrere der diskriminierenden Banner vom DFB-Kontrollausschuss untersucht und gegebenenfalls bestraft werden. Nach mehreren Vorfällen mit Pyrotechnik in der Vergangenheit könnte den Schwarz-Gelben eine temporäre Sperrung der legendären Südtribüne drohen.

Polizei: "Extreme Aggressivität und Gewaltbereitschaft"

Rangeleien zwischen Fangruppen sind in der Bundesliga und beim BVB keine Seltenheit, die Dortmunder Polizei berichtet allerdings in diesem Fall von "extremer Aggressivität und Gewaltbereitschaft" der schwarz-gelben Anhängerschaft gegenüber den Gästen. „Diese richtete sich gegen jede als Leipzig-Fan erkennbare Person, egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte. Nur durch das sehr konsequente Einschreiten der Polizeibeamtinnen und -beamten unter Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray konnten weitere Straftaten verhindert werden“, so die Beamten aus dem Ruhrgebiet.

Die Polizisten nahmen an diesem Abend rings um den „Signal-Iduna-Park“ insgesamt 28 Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, Widerstand sowie räuberischen Diebstahls auf. Die Identität von elf Dortmunder und einem Leipziger Straftäter sind den Behörden bekannt. Die Polizei bittet trotzdem um weitere Hinweise aus den Fankreisen. „Ich kann nur eindringlich alle Zeugen dazu ermuntern, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Ohne Zeugen und Hinweise sind uns ein weiteres Mal die Hände gebunden und die begangenen Straftaten werden folgenlos bleiben“, so Einsatzleiter Freyhoff. Angaben können telefonisch auf der Kriminalwache der Dortmunder Polizei unter 0231/132 7441 gemacht werden. Wie die Leipziger Polizei mitteilte, ist es zudem möglich, eine Dienststelle in der Messestadt aufzusuchen. Die Anzeigen würden dann zur Bearbeitung nach Dortmund gesandt. Für die Beamten seien auch Videos, Bilder und Tonaufnahmen des Geschehens interessant.

BVB verurteilt Gewalt - RB verlangt Aufklärung

Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund bedauerten am Sonntagmorgen die Ausschreitungen von einigen Fans und kündigten eine Aufarbeitung der Ereignisse zusammen mit der Polizei an. „Der BVB verurteilt diese Gewalt auf das Schärfste. Wir wünschen den verletzten Fans aus Leipzig auf diesem Wege gute Besserung!", hieß es auf der Homepage der Schwarz-Gelben.

Für RB Leipzig sind die Übergiffe von Dortmunder Fans "nicht tragbar und beschämend für ganz Fußball-Deutschland. Dass Menschen beim Fußball mit Gewalt konfrontiert werden, ist inakzeptabel. Wir erwarten von Herrn Watzke und Herrn Rauball, dass diese von mehreren Tätern verübten Vorfälle – die diese Saison erstmals unsere Fans betrafen – lückenlos im Interesse der gesamten Bundesliga aufgeklärt werden", so eine Mitteilung vom Sonntag.

Das Spitzenspiel hatten am Samstagabend 81.360 Zuschauern im Stadion verfolgt, darunter waren auch 8.500 Fans von RB Leipzig. Dortmund gewann 1:0 (1:0) durch einen Treffer von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang.

Guido Schäfer / Matthias Puppe

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